Wirtschaft : Infineon-Toshiba gewinnt Kontur

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Die Halbleiterhersteller Infineon und Toshiba haben sich im Prinzip auf eine Kooperation bei der Herstellung von Speicherchips geeinigt. Infineon habe gemeinsam mit dem Management der defizitären Halbleiter-Sparte von Toshiba ein Modell für eine Zusammenarbeit entwickelt, sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Mittwoch in Dresden. Der Konzern nahm dort die weltweit erste Volumenproduktion von Halbleitern auf Siliziumscheiben (Wafern) mit einem Durchmesser von 300 Millimetern auf.

Die neue Produktlinie soll Infineon beim nächsten Aufschwung einen Kostenvorsprung von 30 Prozent sichern. Die Nachfrage nach Speicherbits wird nach Einschätzung des Unternehmens im Jahr 2002 im Vergleich zu diesem Jahr um 50 Prozent steigen. Schumacher geht davon aus, dass Infineon im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2000/2001 oder im laufenden ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres die Talsohle beim Umsatz erreicht hat. Die Gewinnsituation sei allerdings noch labil, sagte der Konzernchef. Der Preisdruck bleibe enorm, eine Entspannung zeichne sich nicht ab. Der Preis für einen Standard-Speicherchip war seit September 2000 von 15 Dollar auf zuletzt knapp einen Dollar eingebrochen.

Das Kooperations-Modell mit Toshiba liegt nun den Gremien vor, die noch ihre Zustimmung geben müssen. "Über unsere gemeinsamen Ideen sind wir uns im Klaren", sagte Schumacher. Ein Abschluss mit Toshiba stehe allerdings noch nicht unmittelbar bevor. Bedingung für eine Kooperation bleibe, dass sich die Liquiditätssituation von Infineon in den kommenden 18 Monaten nicht verschlechtere. Die angestrebte Kooperation soll dem Vernehmen nach in ein Joint Venture münden, an dem Infineon die Mehrheit hält. Branchenbeobachter gehen von einem Anteil von 80 Prozent aus.

Das Gemeinschaftsunternehmen soll mittelfristig an die Börse gebracht werden. Beide Unternehmen leiden unter dem dramatischen Preisverfall für Speicherchips und dem Verdrängungswettbewerb unter den Herstellern. Toshiba sucht seit längerem einen Partner für sein verlustreiches Speichergeschäft. Infineon war im vergangenen Geschäftsjahr wegen des Einbruchs im Chipgeschäft mit einer Milliarde Euro in die Verlustzone gerutscht und musste 5000 Stellen abbauen.

Voraussetzung für künftige Erfolge auf dem stark schwankenden Halbleitermarkt sei antizyklisches Investitionsverhalten, sagte Schumacher. Infineon verspricht sich von der neuen Produktionslinie, in die bis zum Ausbau im Jahr 2003 insgesamt rund zwei Milliarden Mark investiert werden sollen, einen Produktivitätsschub. "Unser technologischer Vorsprung vergrößert sich auf mehr als 15 Monate", sagte Schumacher. Durch die rund 2,5 mal größere Anzahl von Chips auf der Fläche eines 300-Millimeter-Wafers ergeben sich Infineon zufolge Kostenvorteile von bis zu 30 Prozent. Ein zusätzlicher Wechsel zu kleineren Strukturen beim Chipaufbau senkt die Produktionskosten noch einmal. Insgesamt kann der Konzern so im Vergleich zur Produktion auf 200-Millimeter-Wafern seine Chips um rund die Hälfte günstiger herstellen.

Infineon braucht diesen Wettbewerbsvorteil, um sich gegen die Konkurrenz aus Fernost behaupten zu können. Staatlich subventionierte Chipproduzenten wie die koreanische Hynix werfen seit Monaten Speicherchips zu Preisen auf den Markt, die unter den Herstellungskosten liegen. In seinem neuen Werk in Dresden, das den Angaben zufolge trotz Marktschwäche zu 100 Prozent ausgelastet ist, wird Infineon anfangs monatlich rund 11 000 Wafer der neuen Generation herstellen. Zurzeit sind in Dresden 4300 Mitarbeiter beschäftigt, 800 davon in der neuenFertigung. Bei voller Auslastung soll die Belegschaft auf 1500 Mitarbeiter aufgestockt werden. Die Infineon-Aktie konnte am Mittwoch aber nicht profitieren. Die Börse zeigte sich irritiert von der Ankündigung einer Kapitalerhöhung um 350 Millionen Euro bis 2007. Erst im Sommer hatte Infineon durch eine mühsam platzierte Kapitalerhöhung 1,5 Milliarden Euro eingenommen.

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