Wirtschaft : Infineon überprüft Outsourcing

Henrik Mortsiefer

Beim Münchner Halbleiterhersteller Infineon kündigen sich nach dem Rauswurf von Ex-Vorstandschef Ulrich Schumacher Änderungen in der Outsourcing-Strategie an. Vor allem die Auslagerung von Dienstleistungsbereichen, die Schumacher vehement betrieben hatte, soll überprüft werden. Ganz oben auf der Tagesordnung des Interimsvorstands Max Dietrich Kley steht dabei offenbar die geplante weltweite Ausgliederung der IT-Infrastruktur mit 250 Mitarbeitern, wie der Tagesspiegel am Sonntag aus Aufsichtsratskreisen erfuhr. „Hier ist nicht sauber gerechnet worden, ob sich das Outsourcing überhaupt lohnt“, hieß es.

Es geht um den Betrieb, die Wartung und den Einkauf von Desktop-PCs, Servern und Software. Sie sollen an einen Dienstleister vergeben werden. Hewlett Packard wurden dabei zuletzt die besten Chancen ausgerechnet. Noch im Februar hatte Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz Verhandlungen mit einem externen Unternehmen bestätigt. Es handele sich um einen Vertrag in höherer dreistelliger Millionenhöhe mit fünfjähriger Laufzeit. Branchenkreisen zufolge soll das Transaktionsvolumen bei rund 700 Millionen Euro liegen. Diese Summe steht nun offenbar wieder zur Disposition. Weder Infineon noch Hewlett Packard wollten sich dazu äußern. „Einzelprojekte kommentieren wir nicht“, sagte ein Infineon-Sprecher.

Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit bereits Verwaltungsfunktionen abgegeben. So ist seit Jahresanfang der IT-Dienstleister EDS für die Lohn- und Gehaltsabrechnungen in Deutschland und Österreich zuständig. Auch Teile des Personalwesens liegen bei EDS. Das Rechnungswesen lagerte Infineon nach Portugal aus. Seit Mitte 2003 betreut Accenture die SAP-Software.

„Der neue Vorstand setzt neue Schwerpunkte“, sagt Michael Busse, Infineon-Analyst bei Helaba Trust. Dabei würden jetzt auch Outsourcing-Projekte offenbar überprüft. Analysten hatten vor allem Schumachers Kooperationen in der Chipfertigung in China kritisiert, weil damit Know-how verloren gehe. „Schumacher ist über das Ziel hinaus geschossen“, sagt ein Experte. Revidieren lasse sich dies nicht mehr, glaubt Karsten Iltgen von der WestLB. „Das ist zu spät.“

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