Wirtschaft : Infineon und Epcos: Kommentar: Das Chipgeschäft bleibt riskant

Thomas Magenheim

Nun haben Infineon und ihr Chef Ulrich Schumacher also die Schattenseiten der Freiheit kennengelernt. Vor gut einem Jahr hatte der Manager noch über die neue Flexibilität gejubelt, die die Loslösung von Siemens bringe. Ohne das schützende Dach des Mutterhauses wäre nun aber beinahe eine Kapitalerhöhung zum Rohrkrepierer geworden. Auch so ist sie teuer erkauft. Gut 400 Millionen Mark weniger als zuletzt geplant haben die neuen Aktionäre dem Chiphersteller in die Hand gegeben. Dabei waren die Erwartungen angesichts der aktuellen Talfahrt in der Halbleiterbranche ohnehin schon bescheiden. Außerdem muss Infineon von den mühsam den Finanzmärkten abgetrotzten Milliarden fast ein Drittel an Siemens überweisen, um einen kurzfristigen Kredit zu tilgen. Immerhin, die Feuertaufe ist gerade noch einmal gelungen, wenn auch mit deutlichen finanziellen Abstrichen. Falls die Pläne aber nun reifen und mit dem frischen Geld ein Produktivitätsvorsprung erkauft wird, sollte das aktuelle Malheur beim nächsten Boom der Chipbranche vergessen sein. Doch wann kommt der? Derzeit üben sich alle Experten im Kaffeesatzlesen. Jeder hofft auf 2002, keiner weiß genaues. Die Münchner kommen also vom Regen in die Traufe. Zuletzt waren sie der Spielball der Kapitalmärkte, nun sind sie der Spielball der Branchenkonjunktur. Genau deshalb lässt Siemens künftig die Finger vom Chipgeschäft. Es ist extrem kapitalintensiv und auch für vernünftige Akteure weitgehend unberechenbar. Die institutionellen Investoren, die nun Infineon gezeichnet haben, wissen das. Die Privatinvestoren, die sich voriges Jahr in Goldgräberstimmung um die Aktie gerissen haben, lernen gerade, was es heißt, ein Risikopapier zu halten. Sie müssen zudem damit leben, dass Siemens weiter gut die Hälfte der Infineon-Anteile besitzt und auf Null abbauen will. Auch dies liegt vorerst noch düster über dem Aktienkurs.

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