Wirtschaft : Infineon und Epcos: Siemens-Töchter leiden unter der Flaute

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Unter dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld leiden die Siemens-Töchter Infineon und Epcos. Die Infineon AG konnte ihre Kapitalerhöhung nur mit finanziellen Abstrichen platzieren. Der Verkaufspreis für die 60 Millionen neuen Aktien beträgt je 25 Euro, so dass insgesamt gut 2,9 Milliarden Mark in die Kasse kommen. Der Bauelemente-Hersteller Epcos senkte die Gewinnprognose für das dritte Quartal wegen der schlechten Auftragslage.

Ursprünglich hatte Infineon-Chef Ulrich Schumacher mit einem Zufluss von gut 3,3 Milliarden Mark gerechnet. Anfang dieser Woche wollten die Münchner dann wegen eines immer stärker fallenden Aktienkurses sogar ein Scheitern ihrer Kapitalerhöhnung nicht mehr ausschließen. Deren jetziges Ergebnis beweise das "Vertrauen, das Investoren in Infineon haben", freute sich nun Schumacher. Immerhin habe man trotz flauer Börse und schwacher Chipmärkte die in diesem Jahr größte Aktienemission in Deutschland getätigt. Die Nachfrage nach Infineon-Papieren, vor allem von institutionellen Investoren aus den USA, Großbritannien und Deutschland, habe das Angebot um das 3,8-fache übertroffen. Heimischen Privatanlegern wurden dagegen nur drei Prozent der neuen Aktien zugeteilt. Damit sind nun 35,5 Prozent der Infineon-Papiere im Streubesitz. Der Anteil der immer noch dominierenden Mutter Siemens ist von 56 auf 51 Prozent gesunken, weil der Elektrokonzern sich nicht an der Kapitalerhöhung beteiligt hat und in Zukunft ganz aus dem Unternehmen aussteigen will. Weitere 13 Prozent der Infineon-Aktien ruhen im Pensionsfonds der Siemens AG.

"Unser Ziel ist es, ein solides Investitionsvolumen bei strategischen Projekten auch in einem rückläufigen Halbleitermarkt zu halten", begründete Schumacher die Kapitalerhöhung in einem äußerst ungünstigen Umfeld. Dabei hat er vor allem eine Erweiterung der Dresdner Chipfabrik im Auge, die über eine neue 300-Millimeter-Technologie bis zu 30 Prozent Produktivitätsfortschritt erlauben soll. Nur wer über die Marktzyklen hinweg kontinuierlich investiere, könne auch gestärkt den nächsten Aufschwung nutzen, meint Schumacher. Wann dieser Aufschwung kommt, wird in der Branche heftig diskutiert. Die meisten Experten gehen vom nächsten Jahr aus.

Im Dax war Infineon bereits unmittelbar nach der geglückten Kapitalerhöhung der klare Gewinner. Die Aktie stieg bei sonst eher stagnierenden Kursen um mehrere Prozentpunkte auf knapp 27 Euro, was als Reaktion auf die deutlichen Verluste in letzter Zeit zu sehen ist. Große Anleger haben nach Ansicht von Marktbeobachtern im Vorfeld der Aktienemission den Infineon- Kurs stark nach unten getrieben, um günstiger an die Papiere zu kommen.

Die Epcos AG korrigierte unterdessen ihre Gewinnerwartung für das dritte Quartal ihres Geschäftsjahrs 2000/01, das am 30. September endet. Statt eines geschätzten Gewinns von 0,52 Euro je Aktie bringe die Periode von April bis Juli nur einen Profit von 0,30 bis 0,35 Euro, warnte der Hersteller elektronischer Bauteile. Der Gewinn je Aktie ist eine um Sondereinflüsse bereinigte Kennziffer für die Profitabilität des operativen Geschäfts. An der Börse wurde diese Warnung verstanden. Die Epcos-Aktie verlor mehrere Prozentpunkte auf rund 52 Euro. Jede weitere Angabe zum Geschäft lehnte ein Epcos-Sprecher auch auf Anfrage ab und verwies auf die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal am 26. Juli.

Bereits bei der Präsentation der Halbjahreszahlen im Mai hatte Epcos-Chef Gerhard Pegam den plötzlichen Einbruch der Auftragszahlen beklagt und als Reaktion darauf Investitionskürzungen sowie Stellenabbau angekündigt. Falls die Geschäfte noch schwieriger würden, werde man beim Personal "nochmal eingreifen", hatte er damals gewarnt. Dieser Fall ist nun eingetreten. Mittlerweile geht Epcos nicht mehr wie noch im Mai von einem Aufschwung im Schlussquartal 2000/01 aus, bestätigte ein Konzernsprecher. Ob das aber wie angekündigt eine Verschärfung des Stellenabbaus bedeute, wollte er nicht sagen. In jedem Fall sei der "Löwenanteil" der Stellenstreichungen geschafft. Epcos hat dieses Jahr in der 14 500 Personen zählenden Stammbelegschaft rund 450 Arbeitsplätze abgebaut und weitere 600 Stellen bei Leiharbeitern gekappt. Am Stammsitz in München arbeiten zudem weiter 400 Mitarbeiter kurz.

Unter dem Druck nochmals zurückgegangener Auftragseingänge im Juni muss Epcos am 26. Juli für dieses Jahr offenbar auch die Umsatzprognose nach unten korrigieren. Zuletzt waren die Münchener von einem Umsatzplus von zehn bis 15 Prozent ausgegangen. Keinesfalls drohe aber ein Sturz in die Verlustzone, beruhigte ein Epcos-Sprecher. Im Vorjahr hatte der Konzern bei 3,7 Milliarden Mark Umsatz noch 470 Millionen Mark Jahresüberschuss erzielt. Zum Halbjahr 2000/2001 gingen die Auftragseingänge um 16 Prozent auf zwei Milliarden Mark zurück.

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