Wirtschaft : Infineon verkündet das Ende der Krise

Chiphersteller steigert im Jahresvergleich Umsatz und Gewinn und zieht die Börsen nach oben

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Berlin (msh). Der Münchener Chiphersteller Infineon hat das vergangene Quartal mit einem kleinen Gewinn abgeschlossen und erwartet 2004 in allen Sparten steigende Umsätze. „Sämtliche Geschäftsindikatoren zeigen, dass sich die Halbleiterindustrie nun endlich in einer Aufschwungphase befindet“, erklärte InfineonChef Ulrich Schumacher. Die bislang „schwerste Krise“ der Branche sei überstanden. Die Börse reagierte am Montag positiv auf die Äußerungen. Der Aktienkurs von Infineon stieg um 1,5 Prozent auf 11,74 Euro.

Infineon konnte mit den Zahlen den Positivtrend des Vorquartals fortsetzen. In den Jahren zuvor hatte der Konzern wegen der schwierigen Wirtschaftslage und einem erbitterten Preiskampf mit der Konkurrenz aus den USA und Südkorea drastische Verluste eingefahren. Inzwischen ist die Nachfrage nach Computern kräftig angestiegen, wovon auch Infineon profitiert. Das Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet, dass der Umsatz mit Halbleitern 2004 weltweit um 20 Prozent auf rund 210 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr steigt.

Wichtigstes Produkt von Infineon sind Speicherchips für Computer. Der so genannte Arbeitsspeicher ist eine Art Kurzzeitgedächtnis des Rechners. Daneben produziert der Konzern Chips für Handys oder die Elektronik in Autos. Der Umsatz von Infineon stieg im vierten Quartal um 18 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Gewinn vor Steuern kletterte auf 70 Millionen Euro nach einem Verlust von 29 Millionen Euro im Vorjahr.

Allerdings lief das Geschäft zum Jahresende etwas schlechter als im Vorquartal. Als Gründe nannte Schumacher sinkende Preise in allen Geschäftsbereichen und den schwachen Dollar. Im wichtigen Geschäft mit Speicherchips ist Infineon nach Ansicht von Branchenexperten für die Zukunft gut gerüstet. „Bei den Investitionen in neue Fertigungstechniken ist der Konzern Konkurrenten wie Micron oder Hynix weit voraus“, sagte Michael Busse, Technologieexperte bei Helaba Trust. Das gebe Spielraum im unverändert anhaltenden Preiskampf.

Positiv wertet Busse auch, dass Infineon, wie kürzlich angekündigt, in die Produktion von Flash-Speichern eingestiegen ist. Mit Flash-Chips ausgestattete Geräte wie Handys oder Minicomputer können auch Daten speichern, wenn sie ausgeschaltet sind. „Dieser Markt wächst sehr dynamisch“, sagte Busse. Infineon-Chef Schumacher kündigte an, den Geschäftsbereich Glasfaserkomponenten (Umsatz: 150 Millionen Euro) in eine eigene Geschäftseinheit auszugliedern. Ziel sei es, bis Mitte des Jahres einen strategischen Partner zu finden oder das verlustreiche Geschäft zu verkaufen.

Für das laufende Jahr ist Schumacher optimistisch: „Wir erwarten für alle Segmente ein stabiles Wachstum.“ Die Auslastung der Chipwerke habe fast ihre maximale Kapazität erreicht und auch der Auftragseingang sei gestiegen. Allerdings werde man weiter die Kosten senken. Schumacher gab in einer Telefonkonferenz auch ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland ab. Das Werk in Dresden werde weiter ausgebaut und 400 neue Jobs allein in Deutschland geschaffen. In der Vergangenheit hatte Infineon mehrere Unternehmensteile wie die Buchhaltung ins Ausland verlagert. Von seinem Vorhaben, den Stammsitz ins Ausland zu verlagern, rückt Schumacher nicht ab: „Wir werden weiter nach Möglichkeiten suchen, unsere Steuerbelastung zu verringern. Das halte ich für legitim.“

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kündigte an, auf der am heutigen Dienstag stattfindenden Hauptversammlung dem Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Grund sei das Aktienoptionsprogramm des Unternehmens. Die Topmanager von Infineon bekämen bereits ab einer Kurssteigerung von 0,7 Prozent pro Jahr Leistungen aus dem Plan, kritisiert die DSW. „Eine deartige Selbstbedienungsmentalität kann nicht mit einer Entlastung belohnt werden“, sagte DSW-Geschäftsführerin Daniela Bergdolt.

Die insgesamt positiven Zahlen von Infineon zogen an den Börsen am Montag andere Hightechwerte nach oben. Aktien des Softwarekonzerns SAP oder der Deutschen Telekom stiegen stärker als der Dax, der um 0,7 Prozent zulegte. Auch der Technologieindex Tex-Dax legte um 3,2 Prozent auf 618 Punkte zu.

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