Wirtschaft : Infineon zerschlägt sich selbst

Defizitäre Speicherchip-Sparte wird abgetrennt und soll an die Börse gebracht werden/Konzern schrumpft um 40 Prozent

Henrik Mortsiefer

Berlin - Infineon wird in zwei Unternehmen aufgeteilt. Der Aufsichtsrat des Halbleiter-Konzerns stimmte am Donnerstag der Abtrennung des Speicherchip-Geschäfts zu, das rund 40 Prozent des Umsatzes ausmacht. Es soll nach Möglichkeit später an die Börse gebracht werden. Das neue Unternehmen wird seinen Sitz in Deutschland haben.

Infineon will sich künftig auf die Entwicklung und Produktion so genannter Logikchips konzentrieren. Sie werden unter anderem in der Auto- und Telekommunikationsindustrie verwendet. Erlöse aus einem Börsengang der Speicher sollen in den Ausbau der Logiksparte fließen. Für die Trennung vom schwankungsanfälligen Speichergeschäft zum 1. Juli 2006 nannte Infineon zwei Gründe: Zum einen hätten sich die beiden Geschäftssparten Speicher und Logik in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Zum anderen entstehe mit dem künftig separierten Speicherbereich ein rechtlich unabhängiger Konzern von Weltrang, der direkteren Zugang zum Kapitalmarkt habe und damit flexibler werde. Infineon verbessere „Wachstumsdynamik und Profitabilitätsaussichten für beide Unternehmen“, teilte Vorstandschef Wolfgang Ziebart mit.

Die für den Dax-Konzern einschneidende Neuausrichtung kommt nicht überraschend. Über eine Zerschlagung wurde schon länger spekuliert, weil Infineon im kapitalintensiven und defizitären Speichergeschäft im vergangenen Geschäftsjahr Marktanteile an den weltweit führenden Samsung-Konzern aus Korea verloren hatte. Bei einem Umsatz von 7,2 Milliarden Euro war nur ein magerer Gewinn von 61 Millionen Euro übrig geblieben – obwohl die Branche insgesamt einen rasanten Aufschwung erlebte. Zu schaffen machte Infineon vor allem der aggressive Preiskampf auf dem Speicherchipmarkt. Zur Kostensenkung stellt der Konzern seine Speicherchip-Produktion – ein Großteil davon im Dresdener Werk – derzeit auf größere Siliziumscheiben (Wafer) und eine feinmaschigere Struktur um. Zugleich erhofft man sich bei Logikprodukten stabilere Erträge, weil hier der Preisdruck geringer und „ein tiefes Anwendungsverständnis und eine konsequente Ausrichtung an individuellen Kundenbedürfnissen“ ausschlaggebend seien.

Die Zukunft der Speichersparte ist nach der Abspaltung ungewiss. „Marktpotenziale können insbesondere von den Speicherherstellern realisiert werden, die über eine ausreichende Größe sowie die entsprechenden Produktentwicklungsfähigkeiten verfügen“, teilte Infineon am Donnerstag mit. Ob die Infineon-Sparte diesen Größenvorteil allerdings ausspielen kann, scheint fraglich. Weltweit rangiert Infineon hinter Samsung und der US-Firma Hynix auf Rang drei. Der Chef der Speichersparte, Kin Wah Loh, der das neue Unternehmen auch führen soll, hatte unlängst angekündigt, das Speichergeschäft solle „2006 auf jeden Fall schwarze Zahlen schreiben und langfristig die Rendite deutlich steigern“.

Die Infineon-Aktie drehte am Donnerstag nach einem kurzen Ausreißer nach oben ins Minus. Mit rund 7,95 Euro lag das Papier 2,3 Prozent unter dem Schlusskurs vom Mittwoch.

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