Inflation : Preise steigen kaum noch

Die schwache Konjunktur und das billige Öl machen es möglich: Die Preise steigen kaum noch.

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In diesem Jahr geben insbesondere Autofahrer deutlich weniger Geld für Energie aus als noch 2014.
In diesem Jahr geben insbesondere Autofahrer deutlich weniger Geld für Energie aus als noch 2014.Foto: dpa

Billigere Energie hält die Inflation in Deutschland niedrig. Die Verbraucherpreise stiegen im August erneut um 0,2 Prozent zum Vorjahresmonat, bestätigte das Statistische Bundesamt am Freitag eine frühere Schätzung. Einen geringeren Anstieg gab es zuletzt im Februar. Die Inflation bleibt damit weit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank, die nur bei Werten von knapp zwei Prozent von stabilen Preisen spricht und mit ihrer Niedrigzinspolitik versucht, Richtung zwei Prozent zu kommen. Die sind aber nicht in Sicht. Vielmehr wird im Euroraum seit längerem über die Gefahr einer Deflation spekuliert, einer Spirale nach unten mit sinkenden Preisen, fallenden Investitionen und zurückhaltenden Verbrauchern..

"Die niedrige Inflationsrate im August war maßgeblich auf weiterhin gesunkene Energiepreise zurückzuführen", erklärten die Statistiker. Fallende Weltmarktpreise für Rohöl verbilligten Heizöl um 27,6 Prozent und Kraftstoffe wie Benzin um 9,5 Prozent. Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme wurden um 6,5 Prozent günstiger, Strom um 1,0 Prozent. "Ohne Berücksichtigung der Energiepreise wäre die Inflationsrate im August mit 1,1 Prozent deutlich höher ausgefallen", so die Statistiker. Da die Tarifabschlüsse in diesem Jahr deutlich über zwei Prozent lagen, haben die Bundesbürger real mehr Geld in der Tasche, also eine höhere Kaufkraft.

Milchprodukte sieben Prozent billiger

Nahrungsmittel verteuerten sich dagegen um 0,8 Prozent. Teurer als ein Jahr zuvor waren vor allem Gemüse (+9,3 Prozent) und Obst (+6,6). Kartoffeln etwa kosteten nahezu ein Viertel mehr. Dazu könnten schlechte Ernten durch die Hitzewelle im Sommer beigetragen haben. Gleichzeitig gibt es einen gegenläufigen Trend bei den Milchpreisen, die wegen des Überangebots in Europa dramatisch fallen und viele Bauen in Existenznot bringen. Molkereiprodukte waren im August sieben Prozent billiger als vor einem Jahr. Teurer als im Vorjahresmonat waren Zeitungen und Zeitschriften, Tabakwaren sowie Kaffee, Tee und Kakao. Günstiger zu haben waren Telefone und Unterhaltungselektronik.

Taxifahrten sind 13 Prozent teurer

Überdurchschnittlich stiegen die Preise für Dienstleistungen - schuld waren vor allem Mieterhöhungen, wie die Statistiker erklärten. Daneben verteuerten sich Taxifahrten (um mehr als 13 Prozent) und Essen gehen (drei Prozent). Günstiger dagegen wurden "andere Dienstleistungen" - laut Statistik lag das vor allem am Bestellerprinzip, das am 1. Juni in Kraft getreten war: Demnach muss bei der Vermittlung von Mietwohnungen derjenige den Makler bezahlen,, der ihn auch bestellt hat - also nicht mehr automatisch der Mieter.

Ölpreis weiter unter Druck

Die Absage Saudi-Arabiens an ein Gipfeltreffen aller Ölförder-Länder hat den Ölpreis am Freitag erneut auf Talfahrt geschickt. Auch die Aussicht auf eine Verringerung des Überangebots konnte den Abwärtstrend nicht stoppen. Die richtungsweisende Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um 2,3 Prozent auf 47,76 Dollar je Barrel. Venezuela hatte Gespräche von Opec- und Nicht-Opec-Staaten über Möglichkeiten zur Stützung der Preise vorgeschlagen. Insidern zufolge geht Saudi-Arabien davon aus, das konkrete Ergebnisse ausbleiben. Dies könne zum Bumerang werden und die Kurse zusätzlich belasten. Unabhängig davon senkten die Experten von Goldman Sachs wegen des weltweiten Überangebots ihre Preis-Prognosen. Der Durchschnittskurs für 2015 werde bei 53,70 statt 58,20 Dollar liegen. Für das kommende Jahr erwarteten sie nun 49,50 statt 62 Dollar.

Schäuble warnt vor lockerer Geldpolitik

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat vor den Stabilitätsgefahren der weltweit vielerorts ultra-lockeren Geldpolitik und der damit verbundenen hohen Liquidität gewarnt. "Das kann zu den nächsten Preisblasen führen", sagte Schäuble am Freitag in Berlin vor dem Verein Atlantik-Brücke, der sich der Stärkung der deutsch-amerikanischen Freundschaft verpflichtet sieht. "Wir sollten die Lehre aus der letzten Krise ziehen", bekräftigte Schäuble. Die Geldpolitik allein könne die wirtschaftlichen Probleme in der Welt nicht lösen. "Sie darf auch nicht als Ausweg dienen, das zu unterlassen, was notwendig ist - und das sind Strukturreformen", sagte der Minister.
Zugleich warnte Schäuble vor einer Überbetonung der Finanzwirtschaft in einer Volkswirtschaft. "Wir sollten mehr auf die Substanz der Realwirtschaft achten", sagte er. "Eine zu starke Konzentration auf die Finanzwirtschaft ist nicht nachhaltig." (mit rtr/dpa)

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