Wirtschaft : Inflation über drei Prozent

Lebensmittel teurer Zentralbank in Sorge

Berlin - Der Preisauftrieb in Deutschland bereitet Notenbankern und Volkswirten zunehmend Sorgen. „Es gibt keinen Anlass für Selbstzufriedenheit und keinen Grund zu glauben, dass die Inflation unter Kontrolle gebracht worden ist“, sagte Jürgen Stark, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), am Freitag in Kapstadt. Die EZB bleibe fest auf Preisstabilität ausgerichtet.

Nach jüngsten vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes ist die Teuerungsrate in Deutschland im März auf 3,1 Prozent gestiegen – und damit deutlich stärker als erwartet. Die Hochrechnung beruht auf den Daten aus sechs Bundesländern. Verantwortlich für den Preisschub waren unter anderem erneut Nahrungsmittel und Getränke. Sie verteuerten sich zum Februar um 0,2 bis 0,9 Prozent. Auf Jahressicht stiegen die Preise zwischen 7,3 und 9,6 Prozent, teilte das Statistikamt mit. Benzin und Diesel stiegen im Vergleich zum Februar um bis zu 5,3 Prozent an. Seit dem März 2007 wurde Kraftstoff damit um bis zu 14,4 Prozent teurer. Auch die Preise für Heizöl und Pauschal- reisen stiegen.

Mit Blick auf die Inflationsrate im März sagte Karsten Junius, Volkswirt bei der Dekabank: „Das ist ein heftiger Wert, der noch über dem von 2007 liegt, als die Mehrwertsteuer erhöht wurde.“ Einen höheren Wert als im März hatte es zuletzt im November 2007 mit 3,2 Prozent gegeben. „Eine solch anhaltend hohe Inflation gab es zuletzt 1993, als nach der Wiedervereinigung die Teuerungsrate über vier Prozent sprang“, sagte ein Statistiker am Freitag in Wiesbaden.

Bundesbank-Präsident Axel Weber, der sich am Freitag besorgt über die hohe Teuerungsrate äußerte, will wegen der Finanzkrise die Wachstumsprognose der Bundesbank für 2008 senken. An der bisherigen Vorhersage von kalenderbereinigt 1,6 Prozent müssten „gewisse Abstriche“ gemacht werden, sagte Weber in Luxemburg. Eine neue Zahl nannte er noch nicht. Es sei inzwischen wahrscheinlicher geworden, dass die Finanzkrise auf die reale Wirtschaft durchschlage.

Auch der Abschwung in den USA, hohe Ölpreise und der starke Euro machten eine Korrektur notwendig. „Unser Ausblick auf dieses Jahr bleibt grundsätzlich zuversichtlich“, sagte Weber. „Es geht weiter aufwärts, aber weniger dynamisch.“ Das deutsche Banken- und Finanzsystem habe die Krise bislang gut gemeistert. Tsp

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