Wirtschaft : Inflationsrate: Schwacher Euro und hohe Ölpreise beunruhigen Beobachter

Der Euro hat sich am Donnerstag leicht erholt und die Schwelle von 90 US-Cent wieder überschritten. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzwert am Nachmittag mit 0,9012 (Vortag 0,8918) Dollar für einen Euro fest; ein Dollar war dabei rund 2,17 Mark wert. Zuvor hatte die europäische Gemeinschaftswährung bereits in Asien und New York an Boden gewonnen. Währungsanalysten in London nannten die sich abzeichnende baldige EZB-Zinserhöhung als Grund für die Erholung. Auch habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Markt auf den jüngsten Ifo-Index der Geschäftserwartungen in Deutschland überreagiert habe. Das Konjunkturbarometer war überraschend schlecht ausgefallen.

Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) warnte derweil vor den wirtschaftlichen Konsequenzen einer anhaltenden Euro-Schwäche. "Der schwache Euro hat üble Folgen für den Import; die immer teureren Einfuhren bedeuten steigende Inflationsgefahr", sagte BGA-Präsident Michael Fuchs der "Bild"-Zeitung. Eine Zinserhöhung durch die EZB könnte die Inflationsgefahr zwar eindämmen, wäre für Fuchs aber dennoch schädlich: "Wenn die EZB die Zinsschraube weiter anzieht, kann das die Konjunktur abwürgen." Auch der "Wirtschaftsweise" Rolf Peffekoven äußerte angesichts des schwachen Wechselkurses Sorge vor einer so genannten importierten Inflation: Der Euro könne "nicht stark nach innen und schwach nach außen sein", sagte das Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Peffekoven warnte ebenfalls, eine höhere Inflationsrate könne die EZB dazu veranlassen, die Zinsen zu erhöhen. "Dies würde mittelfristig die konjunkturelle Entwicklung in Europa beeinträchtigen."

Ins gleiche Horn stieß der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Norbert Wieczorek. Eine Zinserhöhung wäre sowohl kontraproduktiv für Wachstum und Arbeitsmarkt als auch stabilitätspolitisch nicht erforderlich, sagte er. In der derzeitigen Aufschwungphase, die noch gestützt werden müsse, wären weitere Zinserhöhungen kaum verkraftbar.

Warnungen kamen auch aus dem Ausland. Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Laurent Fabius verwies in einem Beitrag für die Tageszeitung "Le Monde" auf den hohen Ölpreis und den schwachen Euro. Es dürfe keine "Preis-Einkommens-Spirale" in Gang gesetzt werden, die das Wachstum und letztlich die Kaufkraft schwäche. Im Juni und Juli lagen die Verbraucherpreise in den elf Staaten der Euro-Zone jeweils um 2,4 Prozent über dem Vorjahresmonat. In Deutschland erreichte die Inflationsrate im Juli zwei Prozent.

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte zuvor bereits gesagt, die Inflation im Euroraum überschreite in diesem Jahr wohl die EZB-Zielmarke von höchstens zwei Prozent. Die EZB fühle sich aber trotz der Erwartung steigender Leitzinsen nicht unter Druck.

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