Wirtschaft : Inflationsrate sinkt auf niedrigsten Stand seit Ende 1999

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Berlin (brö). Die Inflation in Deutschland ist derzeit so gering wie seit November 1999 nicht mehr. Im Mai lag sie bei 1,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Verantwortlich dafür war vor allem ein statistischer Effekt: Im vergangenen Jahr waren die Preise im Vergleich zum Vorjahr um mehr als drei Prozent gestiegen. Nun sind die Preise zum Teil auf ihr Normalniveau zurückgekehrt – das gilt vor allem für Energie, Heizöl und Kraftstoff. Im April hatte die Rate der Geldentwertung noch bei 1,6 Prozent gelegen. Ob die niedrige Inflationsrate von Dauer sein wird, ist allerdings ungewiss. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Donnerstag mitgeteilt, die Preise in der Eurozone würden 2002 schneller steigen als zunächst angenommen. Damit hat sie Beobachtern zufolge das Feld für Zinserhöhungen in naher Zukunft bereitet. Auf alle Fälle dürfte der Anstieg der Verbraucherpreise im europäischen Währungsgebiet 2002 höher liegen als die von der EZB angepeilte Obergrenze von zwei Prozent. Nun erwartet sie eine Inflation zwischen 2,1 bis 2,5 Prozent.

Heizöl verbilligte sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahresvergleich um 5,5 Prozent, Kraftstoff um 4,6 Prozent. Ohne diese Produkte hätte die Teuerung im Jahresvergleich 1,5 Prozent erreicht. Gemüse sei um 8,4 Prozent billiger gewesen als vor einem Jahr. Gestiegen seien dagegen unter anderem die Preise für Tabak (5,7 Prozent), Fischwaren (5,2 Prozent) sowie für Molkereiprodukte und Eier (3,2 Prozent), erklärte das Statistikamt. Auch für Schuhreparaturen, Friseurleistungen sowie Restaurantbesuche mussten die Verbraucher mehr Geld auf den Tisch legen. Im Vergleich zum April rutschten die Nahrungsmittelpreise um 0,1 Prozent nach unten.

Im Mai 2001 hatte die Inflation 3,5 Prozent erreicht. Schuld daran waren hohe Preissteigerungen bei Lebensmitteln im Zusammenhang mit den Tierkrankheiten BSE sowie Maul- und Klauenseuche. Zudem war der Ölpreis über Monate relativ hoch, was auch als ein Auslöser der immer noch anhaltenden Wirtschaftsflaute gilt.

Das Gastgewerbe, dem Verbraucher besonders starke Preiserhöhungen im Zuge der Euro-Umstellung vorwerfen, leidet unterdessen unter Umsatzrückgängen. Im April haben die Wirte und Dienstleister erneut deutlich weniger umgesetzt als vor einem Jahr. Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes verringerte sich der Umsatz nominal um 4,0 Prozent und real um 6,9 Prozent. Damit habe das Gastgewerbe seit Jahresbeginn in jedem Monat niedrigere Umsätze als im entsprechenden Vorjahresmonat erzielt. Kalender- und saisonbereinigt wurde im April im Vergleich zum März 2002 nominal 1,7 Prozent weniger abgesetzt.

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