Wirtschaft : Informationstechnologie: Computerfirmen bieten zu wenig Lehrtstellen

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Fast 10 000 Jugendliche konnten im vergangenen Jahr ihren Traumberuf in der Informationstechnologie (IT) nicht erlernen, weil sie keinen entsprechenden Ausbildungsplatz bekamen. Gleichzeitig suchen deutsche Unternehmen händeringend Computerexperten und akquirieren diese im Ausland. Verkehrte Welt?

"Das Problem liegt bei den kleinen und mittelgroßen Computerfirmen", sagt Hans Weißmann, der beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) neue Lehrberufe entwickelt. Viele der neu gegründeten Unternehmen in der boomenden IT-Branche würden gar nicht wissen, wie sie ausbilden sollen.

Diese Schwierigkeit kennt auch Geerd Woortmann, Experte für IT-Lehrberufe beim Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT). Gerade die kleineren Firmen seien häufig flexibel organisiert, die bloße Erwähnung von Regeln führe dort zu "emotionalen Sperren", erzählt Woortmann. Die Firmengründer kämen oft von der Universität die wenigsten hätten eine duale Berufsausbildung absolviert. "Da müssen wir weitaus mehr Beratung leisten", sagt der DIHT-Vertreter.

Die Ausbildungsberater des DIHT würden gerade bei den kleineren IT-Betrieben Verbundausbildungen empfehlen: Dabei bilden mehrere Unternehmen ihre Lehrlinge gemeinsam aus. In fast allen der 82 Kammerbezirke gebe es mittlerweile solche Verbundlösungen, sagt Woortmann.

Doch nicht nur IT-Firmen, auch Schulabgänger sind häufig nicht ausreichend informiert. "Viele wissen gar nicht, dass die IT-Berufe vielfältig einsetzbar sind", sagt Woortmann. Derzeit gibt es vier Ausbildungsberufe in der IT-Branche: Am meisten verbreitet ist der Beruf des Fachinformatikers, 6027 Ausbildungsverträge wurden 1999 neu angeschlossen. Dahinter folgen der IT-System-Elektroniker mit 2812 neuen Lehrverträgen, der IT-System-Kaufmann mit 2051 und der Informatik-Kaufmann mit 1947 neu unterzeichneten Verträgen.

Die vier IT-Lehrberufe gibt es seit 1997. Während die Zahl der Ausbildungplätze im ersten Jahr nur 4748 betrug und die Bewerberzahl noch deutlich darunter lag, hat sich das Verhältnis mittlerweile umgekehrt: Um rund 12 000 bei der Bundesanstalt für Arbeit (BA) gemeldeten IT-Lehrstellen bewarben sich 1999 mehr als 21 000 Schulabgänger.

Das "Bündnis für Arbeit" hatte vor einem Jahr vereinbart, die Gesamtzahl der IT-Lehrstellen innerhalb von drei Jahren auf 40 000 zu erhöhen. Mittlerweile legte die Wirtschaft nach und versprach, bis Ende 2003 rund 60 000 Ausbildungsplätze einzurichten. "Wir werden dieses Ziel deutlich früher erreichen", sagt Barbara Dorn, Bildungsexpertin bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, fordert die Wirtschaft auf, mehr IT-Lehrstellen anzubieten. Nach Berechnungen der BA fehlen für das nächste Lehrjahr wenigstens 6000 Plätze.

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