Wirtschaft : Informationstechnologien boomen nach wie vor - und der Branche fehlen Fachkräfte

Marion Hartig

Briefe per Knopfdruck versenden, auf dem Weg zur Arbeit telefonieren oder im Internet shoppen - Informationstechnologien (IT) sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. "Als Wachstumsmarkt Nummer Eins der Weltwirtschaft wird die IT-Branche die gesellschaftlichen und ökonomischen Prozesse des 21. Jahrhunderts nachhaltig prägen", prophezeit Gerd Tenzer, Stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Elektro- und Informationstechnik, VDE.

Der anhaltende Boom im Bereich Hardware, Software, Telekommunikation und Multimedia wirkt sich entscheidend auf Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt aus. In Berlin ist die Zahl der IT-Unternehmen in den letzten Jahren auf rund 2100 gestiegen, schätzt Klaus Werner, Sprecher der VDE-Landesvertretung. Stetig kämen weitere Firmen dazu.

Die Hauptstadt hat als IT-Standort einige Pluspunkte zu bieten: Berlin verfügt über eines der modernsten digitalen Kommunikationsnetze Europas. Über 170 Universitäten und Institutionen sorgen für das nötige Know-how, um bei der weltweiten IT-Entwicklung am Ball zu bleiben. Für die wachsende technische Vernetzung der Medien bieten Film-, Fernseh- und Internetindustrie der Region eine gute Voraussetzung. Ulrich Schmid, Bereichsleiter für IT und Medienwirtschaft der Industrie und Handelskammer, IHK, sieht einen weiteren Bonus in der besonderen Dynamik der Metropole: "Hier treffen viele kreative und den neuen Technologien gegenüber aufgeschlossene Menschen zusammen."

Der IT-Wachstumsmarkt hat allerdings einen Haken. Expertenmangel heißt der Bremser der Branche. Für rund 3500 Stellen im IT- und Multimediabereich fehle in Berlin das entsprechende Fachpersonal, berichtet Schmid. An der Spitze der gesuchten Fachkräfte stehen Software-Entwickler und Programmierer, System- und Netzwerkspezialisten sowie IT-Berater. Gebraucht werden sie nicht nur in den IT-Unternehmen, auch in anderen Wirtschaftsbereichen häufen sich Aufgabenbereiche für die Computerexperten. Um den Mangel an IT-Experten zu beheben, haben sich Verbände, Landesinitiativen und Arbeitsämter der Nachwuchsförderung verschrieben. Mit zahlreichen Projekten wendet sich die Branche an ihre junge Zielgruppe.

Mehr als 250 private und öffentliche Bildungsträger bieten im Raum Berlin ihre Dienste an. Geschult werden, Fachkompetenzen, die nach einer Untersuchung der Deutschen Wirtschaftsakademie für Aus- und Weiterbildung, CDI, von der Wirtschaft am häufigsten angefragt werden: Programmierung und Anwendungsentwicklung (C++, Java, Visual Basic), der Umgang mit Windows NT, Internet, HTML und Datenbanken sowie Englisch. Zunehmend spielen auch die sogenannten "Softskills" bei der Auswahl von Bewerbern eine entscheidende Rolle: Kreativ, teamfähig, flexibel und selbstständig sollen die Mitarbeiter sein.

Eine Möglichkeit, den Einstieg in die IT-Arbeitswelt zu schaffen, bieten Praktika, weiß Peter Brauner, Berufskundler des Landesarbeitsamtes. Die Anforderungen des angestrebten Jobs könne man so am besten kennenlernen. Ein Studium der Informatik- oder Elektrotechnik an einer Hochschule oder Fachhochschule vermittelt ein breites Basiswissen. Ein Informatiker kann beispielsweise als Webmaster, IT-Systemelektroniker oder Fachinformatiker arbeiten. Günstig sei, während des Studiums Schwerpunkte zu setzten, rät Brauner: "Wer sich spezialisiert, erhöht seine Berufschancen." Praxisnäher und unternehmensspezifischer ausgerichtet seien die neuen IT-Ausbildungsberufe zu Fachinformatikern, Mediengestaltern, Screendesignern und Filmeditoren, die in den Unternehmen der Branche ausgebildet werden. Darüber hinaus vermittelten zahlreiche Weiterbildungen auch Quereinsteigern das nötige Know-how für die neuen Berufe von morgen.

Eine erste Orientierung verschaffen Arbeitsämter, Ausbildungsstätten und die IHK.Infos im Internet beispielsweise unter: " www.dmmv.de " oder " www.arbeitsamt.de ".

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