INFRASTRUKTUR : Straßen für alle

Würde ein privater Unternehmer Berlins Mitte umgraben, um eine neue U-Bahn-Linie zu bauen? Würde ein Konzern auf die Idee kommen, Wasserleitungen in einem Neubaugebiet zu verlegen, ein dichtes Netz von Krankenhäusern zu knüpfen, einen Hochseehafen zu errichten? Kaum. In vielen Märkten könnten private Firmen nur theoretisch staatliche Betreiber ersetzen. Beispiel Straßenbau: Allenfalls Autobahnen und Bundesstraßen zwischen Städten mit viel Verkehr ließen sich privat bauen und unterhalten, für Landstraßen oder Feldwege wären kaum Investoren zu finden. Kanäle für die Binnenschifffahrt durch die Landschaft zu schneiden, ist so teuer, dass sich kaum ein Investor finden würde. Und wenn, würde er von den Schiffern sehr hohe Benutzungsgebühren verlangen.

Wasserbetriebe sind in der Regel in der Hand von Kommunen; sie können Investitionen günstiger finanzieren als ein Unternehmen. Und hinter ihnen stehen gewählte Politiker. Die dürfen nicht nur die Finanzen im Kopf haben. Sie müssen auch dafür sorgen, dass Menschen, die sich für ein Leben jenseits der Städte entscheiden, Zugang zu Infrastruktur haben – dass sie telefonieren können, Strom haben, ein Schwimmbad in erreichbarer Nähe ist oder die Feuerwehr zur Not binnen weniger Minuten zum Löschen kommt. Was geschieht, wenn nicht nur der Staat, sondern auch der Druck des Marktes eine Rolle spielt, ist bei der Eisenbahn zu besichtigen: Zwischen 1990 und 2008 ist das deutsche Schienennetz um ein Sechstel geschrumpft, vor allem weil unrentable Nebenstrecken stillgelegt wurden. brö

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