Ingenieure gesucht : Fachkräftemangel nimmt "dramatische Ausmaße" an

Der Branchenverband VDI hat angesichts Zehntausender unbesetzter Stellen vor volkswirtschaftlichen Einbußen in Milliardenhöhe gewarnt. Aktuell suchen die Unternehmen rund 95.000 Ingenieure.

HannoverDer Fachkräftemangel in Deutschland nimmt aus Sicht des Branchenverbandes VDI inzwischen "dramatische Ausmaße" an. Aktuell suchen Unternehmen in Deutschland etwa 95.000 Ingenieure, wie der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Montag zum Auftakt der Hannover Messe erklärten. Die Zahl der offenen Stellen für Ingenieure sei viel höher als von der Bundesarbeitsagentur angegeben. Nicht einmal jede siebte freie Stelle werde gemeldet. Der Fachkräftemangel koste die Volkswirtschaft jährlich über sieben Milliarden Euro.

Bereits 2007 hätten rund 70.000 Ingenieursstellen nicht besetzt werden können, erklärte VDI-Direktor Willi Fuchs. Dies seien 45 Prozent mehr als noch 2006. Einer Umfrage des VDI und des IW zufolge stuften drei Viertel der befragten Unternehmer und Manager im Maschinenbau und bei den Ingenieurdienstleistern die Verfügbarkeit von Ingenieuren als "sehr schlecht" oder "schlecht" ein. Ähnlich problematisch sähen die Vertreter von Elektroindustrie und Fahrzeugbau die Situation.

Positive Grundstimmung bleibt

Auch die deutsche Automatisierungsindustrie kritisierte, der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs hierzulande drohe zur Wachstumsbremse zu werden. Derzeit blieben allein in der Automation schätzungsweise 5000 Arbeitsplätze für Ingenieure unbesetzt, erklärte der Vorsitzende des ZVEI-Fachverbands Automation, Gunther Kegel.

Dennoch sei die Industrie in Deutschland in einer "nach wie vor robusten positiven Grundstimmung", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann. Die Unternehmen seien der Motor der wirtschaftlichen Entwicklung, jeden Tag würden sie im Saldo mehr als 1000 neue Jobs schaffen. Der BDI halte für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von bis zu zwei Prozent "immer noch für erreichbar". Damit zeigt sich der Verband optimistischer als die Forschungsinstitute, die ihre Prognose kürzlich auf 1,8 Prozent nach unten korrigiert hatten. Ursprünglich waren sie von 2,2 Prozent ausgegangen. (jam/AFP/dpa)

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