Wirtschaft : Ingenieure profitieren von der guten Konjunktur

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Export ist der Motor. 20 000 neue Jobs erwartet, der Nachwuchsmangel könnte den Aufschwung bremsenbrö

Der deutsche Maschinenbau kommt dank der weltweit besseren Konjunktur immer mehr in Schwung. Auf Grund gut gefüllter Auftragsbücher korrigierte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Freitag in Berlin seine Wachstumsprognose deutlich nach oben: Um sechs Prozent werde die Branche in diesem Jahr zulegen, erwartet VDMA-Präsident Eberhard Reuther. Im Herbst vergangenen Jahres war der Verband noch von einem dreiprozentigen Wachstum ausgegangen. In den ersten vier Monaten dieses Jahres verzeichneten die Mitgliedsunternehmen ein Auftragsplus von 15 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dabei kletterten die Bestellungen aus dem Ausland um 19 Prozent, während inländische Betriebe nur neun Prozent mehr orderten. Durch die verschiedenen regionalen Finanzkrisen in der Welt habe sich in der Industrie ein Investitionsstau ergeben, der nun abgearbeitet werde und für die kräftige Zunahme an Aufträgen verantwortlich sei, begründete Reuther die positive Entwicklung. Für einen zusätzlichen Kick sorge der derzeit schwache Euro. "Allerdings kann von einem selbst tragenden Aufschwung im Inland noch keine Rede sein; noch sind die Impulse dem Export zu danken", sagte er. Helle sich die konjunkturelle Lage aber weiter auf, könne es auch im Inland zu einer Belebung kommen. Davon werde im Herbst auch der Arbeitsmarkt profitieren - möglich seien 20 000 neue Jobs, schätzt der VDMA-Präsident.

Sorgen macht den Verbandsmitgliedern allerdings die Schwierigkeit, auf dem Arbeitsmarkt qualifizierte Ingenieure zu finden. Das könne in einigen Bereich das Wachstum bremsen, prognostizierte Reuther. Der Nachwuchs sei knapp, deshalb gebe es für Einsteiger "beste Berufschancen". Besonders im Fach Maschinenbau sei die Lage prekär, da die maximal 6000 Hochschulabsolventen nicht nur von VDMA-Betrieben, sondern zunehmend von anderen Branchen wie der Automobil-, der chemischen oder der Elektroindustrie, aber auch von Bahn, Post, Banken und Versicherungen umworben würden. Allein der Maschinenbau habe aber einen Bedarf von bis zu 3500 Fachkeuten. Zwar gebe es knapp 57 000 arbeitslose Ingenieure, die aber seien zum Großteil älter als 45 Jahre und nicht ausreichend qualifiziert. Reuther forderte deshalb die Bundesanstalt für Arbeit auf, für diese Gruppe spezielle Schulungsprogramm einzurichten. Außerdem müsse die Bundesregierung ausländischen Interessenten das Ingenieurstudium in Deutschland erleichtern, etwa mit einer "Green-Card"-Regelung, und sie mit fremdsprachigen Vorlesungen in deutsche Hörsäle locken. Nach dem Studium müssten sie auch in Deutschland arbeiten dürfen. Nahezu alle Firmen der Branche planen einer VDMA-Umfrage zufolge, zwischen 2001 und 2005 Ingenieure einzustellen. 60 Prozent davon wollen zusätzliche Stellen einrichten, 37 Prozent freiwerdende besetzen.

Im Gegensatz zu Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach sich Reuther für eine Reform des Betriebsverfassungsgesetzes aus, die Arbeitsminister Walter Riester plant. Sie müsse allerdings die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Firmen erhöhen und dürfe den Mittelstand nicht behindern, indem sie "Arbeitsleben und Leistungsprozesse weiter reguliert". Die Diskussion über flexiblere Traifverträge, die momentan von den Gewerkschaften geführt wird, treffe beim VDMA auf offene Ohren. "Diese Forderung erheben wir schon seit Jahren", sagte VDMA-Chef Reuther. Im VDMA sind 3000 Firmen organisiert, die mit 930 000 Beschäftigten einen Umsatz von 260 Milliarden Mark erwirtschaften.

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