Inklusion : Arbeitsplätze für Behinderte bleiben rar

Im September startet die Bundes-Initiative „Inklusion“. Sie soll Menschen mit Handicap den Einstieg in die Berufswelt erleichtern

Glücksfall Job. Trotz des Aufschwungs sind mehr Schwerbehinderte arbeitslos. Foto: dpa
Glücksfall Job. Trotz des Aufschwungs sind mehr Schwerbehinderte arbeitslos. Foto: dpaFoto: ZB

Nils Rosenthal hat seinen Traumjob gefunden. „Besser könnte es nicht sein“, freut sich der 25-Jährige, der bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn Reisekostenabrechnungen bearbeitet. Die Stelle ist für den halbseitig Gelähmten ein Glücksfall. Denn trotz des Aufschwungs auf dem Arbeitsmarkt finden immer weniger Behinderte einen Job. „Viele Chefs glauben, dass Behinderte in der immer schnelllebigeren Arbeitswelt nicht zurechtkommen“, sagt Anne Ott vom Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen.

Obwohl jüngst viele Arbeitslose wieder einen Job fanden, sanken die Chancen für Behinderte auf eine Stelle weiter. Der Arbeitsagentur zufolge nahm die Arbeitslosigkeit seit Juli 2010 insgesamt um 7,8 Prozent ab. Zugleich stieg die Arbeitslosigkeit unter den rund sieben Millionen Schwerbehinderten aber um 3,1 Prozent. Dabei sind Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern verpflichtet, fünf Prozent der Stellen mit Schwerbehinderten zu besetzen. Erfüllen sie diese Quote nicht, wird eine Ausgleichsabgabe fällig.

2009 kauften sich mehr als 60 Prozent der Unternehmen von der Pflicht frei, Schwerbehinderte zu beschäftigen. „Wir brauchen ein Umdenken“, fordert Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch.

Hartnäckige Vorbehalte hielten die meisten Firmen davon ab, behinderte Menschen einzustellen. Dabei sei es angesichts des steigenden Fachkräftemangels interessant, qualifizierten Menschen mit Behinderungen den Einstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen, sagt Torsten Prenner von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), einer Abteilung der Bundesarbeitsagentur. Prenner vermittelt Jobs für schwerbehinderte Akademiker und erhält derzeit öfter Nachfragen nach IT-Experten oder Ingenieuren mit Behinderung. Doch insgesamt habe sich das Stellenangebot nicht verbessert, weil zugleich viele potenzielle Jobs im Öffentlichen Dienst aus Kostengründen weggefallen seien.

Alfons Adam, Konzern- und Gesamtschwerbehindertenvertreter der Daimler AG: „Jede Behinderung ist nur so lange eine Behinderung, bis man die richtige Stelle gefunden hat.“ Daimler erfüllt die vorgeschriebene Quote und beschäftigt Schwerbehinderte in allen Bereichen. Oft seien Menschen mit Handicap in Teilbereichen sogar leistungsfähiger, wenn die passende Tätigkeit gefunden sei, beobachtet auch Monika Labruier vom Integrationsdienstleister Füngeling Router, der Arbeitgeber bei der Beschäftigung Behinderter berät.

Nils Rosenthal räumt ein, durch seine Behinderung manchmal etwas langsamer zu sein. „Dafür macht er seine Arbeit aber absolut zuverlässig“, sagt Peter Trauth von der Personalabteilung der DFG, die ihn nun in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernehmen will.

Damit solche Erfolge öfter gelingen, will die Bundesregierung ab September mit der Initiative Inklusion neue Jobs für Schwerbehinderte schaffen. Dafür sollen im Zeitraum von zehn Jahren 100 Millionen Euro ausgegeben werden. Sozialverbände und Gewerkschaften halten das für zu wenig, zumal das Geld allein aus dem Topf der Ausgleichsabgabe stamme.epd

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben