Wirtschaft : Inkubatoren: Brutstätten für die Dot.Com-Generation

Christian Splett

Kaum ein Inkubator in Deutschland will als solcher bezeichnet werden. Sie nennen sich "Venture Catalyst", "Accelerator", "Lab" oder "Park". Uwe Heukeroth, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Technologie- und Gründerzentren (ADT), bezeichnet dies als ein "Sprachspielchen", hinter dem sich kaum mehr als das klassische Konzept eines Gründer- und Innovationszentrums verberge. Wie überall in der New Economy sind die Grenzen fließend. Niemand will in der Schublade des "Vermieters von billigen, gut ausgestatteten Geschäftsräumen" landen. Martin Enderle, Chef der Münchner Speed Ventures: "Nice to have, aber sonst völlig unwichtig."

Die aus den USA stammende Incubator-Idee besteht darin, Firmengründer preiswert unterzubringen und mit etwas Zeit sowie guten Kontakten auszustatten. In Deutschland verfolgen dieses Konzept nicht nur die etwa 400 Non-Profit-Gründerzentren, von denen etwa die Hälfte im ADT organisiert sind. Die neuen, privaten Inkubatoren der Dot.Com-Generation stehen mit ihrem Service zwischen Gründern und Venture-Capital-Firmen. Sie sind eine Mischung aus Immobilienmakler, Wirtschaftsprüfer, Technologie- und Marketingexperte.

Die Gründer des Inkubators Area5F aus Berlin räumen ein, dass ihr Service überflüssig wäre, wenn Startup-Unternehmer und VC-Gesellschaften professioneller arbeiten würden. Area5F mit Standorten in Mannheim und an der Spree nennt sich "Venture Catalyst". Die beiden Unternehmensgründer Stefan Jugel und Georg Kiefer haben die Erfahrungen der Startups in den USA auf Deutschland übertragen: "1999 wurden acht von 20 Milliarden Mark Risikokapital in Deutschland nicht investiert, weil das Matching von Ideen und Kapital fehlte. Diese Marktlücke wollen wir schließen", sagt Jugel. Das bedeutet: Die besten Ideen herausfiltern, die Gründer bei der Erstellung von überzeugenden Business-Plänen unterstützen und sie an die passenden VC-Gesellschaften vermitteln. Dabei erbringt Area5F eine Vorleistung für die Kapitalgeber. "Selbst gute Geschäftsmodelle prallen an der VC-Gesellschaft ab. Die VC-Manager haben keine Zeit. Nur wir können das nötige Coaching bieten", sagt Georg Kiefer. Wegen des enormen Aufwandes, der für die Vermittlung an einen Risikokapitalgeber betrieben wird, können nur fünf bis sieben Prozent aller Bewerbungen berücksichtigt werden. Die operativen Kosten deckt Area4F dadurch, dass die VC-Gesellschaft vier Prozent von der Investitionssumme an den Inkubator überweist. Die zuvor gesicherten Anteile am Startup sollen sich später auszahlen. Im Gegensatz zu Area5F bringen andere Inkubatoren einige ihrer Schützlinge bei sich unter. So haben sich bei der Berliner Econa AG zwei der zehn geförderten Neugründer kostenlos einquartiert. "Wir wollen unser Haus offen halten", sagt Econa-Chef Bernd Hardes. Er besteht darauf, dass Econa eine VC-Gesellschaft ist.

Firmen wie Econa würde Ulrich Thara von der Unternehmensberatung McKinsey als "kapitalzentrierte Inkubatoren" bezeichnen. Sie sind wie VC-Gesellschaften an Eigenkapital-Anteilen von bis zu 50 Prozent, und damit an einer späteren Wertsteigerung, interessiert. McKinsey selbst ist mit seinem Accelerator "service-zentriert". Im Münchner "Tal 24" logieren etablierte Dot.Coms und Startups unter einem Dach. McKinsey kassiert insgesamt monatlich 50 000 Mark Selbstkosten für das angebotene "plug and play". Dazu kommen die Beraterhonorare. Dafür werden die Unternehmen von E-Consultants betreut und profitieren von den weltweiten Erfahrungen der Berater. Das Ziel: Die Marktreife einer Idee - die Branche spricht von "time to market" - auf bis zu sechs Monate zu reduzieren.

Einer Studie des US-Dachverbandes National Business Incubation Association zufolge überleben 87 Prozent der ausgebrüteten Firmen. Aber nicht nur bei den Startups, sondern auch unter den Inkubatoren findet ein Wettbewerb um die besten Ideen statt. Ständig drängen neue Projekte auf den Markt. Christiane Stöhr von der Berliner Venturepark Incubator AG prophezeit eine "Marktbereinigung mit immer weniger Unternehmen, die immer mehr Geld zur Verfügung haben". Die AreaF5-Gründer Jugel und Kiefer bleiben indes gelassen: "In diesem Wachstumsmarkt gibt es für alle genug zu tun."

0 Kommentare

Neuester Kommentar