Wirtschaft : Inlandsnachfrage nimmt langsam Fahrt auf

Seit Anfang des Jahres veröffentlicht der Tag

Zinstal könnte bald durchschritten sein / Erholung auch im OstenSeit Anfang des Jahres veröffentlicht der Tagesspiegel in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt einmal monatlich eine Konjunkturkolumne.Abgestimmt mit der Wirtschaftszeitung, die Prognoseinstrumente für West- und Ostdeutschland entwickelt hat, werfen wir einen Blick auf die gesamtdeutsche Wirtschaftslage.

Der Aufschwung in der Industrie zieht immer weitere Kreise.Das wird durch den Handelsblatt-Frühindikator belegt, der im September kräftig um 0,3 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent geklettert ist.Dadurch könnte die westdeutsche Wirtschaft noch in diesem Jahr insgesamt um 2,5 Prozent wachsen.Am heutigen Mittwoch veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Daten für das westdeutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) des zweiten Quartals.Experten erwarten ein reales Plus von 2 Prozent, nach 1,5 Prozent im ersten Vierteljahr.Der Handelsblatt-Frühindikator zeigt frühkonjunkturelle Wendepunkte an, indem er auf fünf verschiedenen Einzelindikatoren, wie etwa Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe oder Einzelhandelsumsätze, basiert und sie gewichtet.Er eilt der gesamtwirtschaftlichen Produktion um ein Vierteljahr voraus und signalisiert so saisonbereinigte Trends des realen Bruttoinlandsprodukt. In nahezu allen Hauptgruppen des Verarbeitenden Gewerbes zogen die Bestellungen im Juni deutlich an.Außerdem nahm neben der weiterhin starken Auslandskonjunktur die Inlandsnachfrage an Fahrt auf.So stieg die Exportnachfrage im zweiten Quartal zwar um 4,2 Prozent, die Inlandsnachfrage kletterte aber immerhin um 3,5 Prozent.Auch das Geschäftsklima hat sich nach Angaben des Münchener Ifo-Instituts im Juli sprunghaft verbessert, sowohl die Einschätzungen der aktuellen als auch der zukünftigen Situation.Die Lage am Bau stagniert dagegen weiter, besonders die Bestellungen im Wohnungsbau gaben im Juni nach - obwohl sich diese Sparte in den vergangenen Monaten noch gut behauptet hatte. An den Zinsen kann es kaum liegen.Der Drei-Monat-Zins Fibor - die Durchschnittsrate der Banken, zu dem sie bereit sind, sich untereinander Geld zu leihen - verharrte im Juli unverändert bei 3,11 Prozent, die durchschnittliche Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere sank sogar leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent.Allerdings könnte das Zinstal bald durchschritten sein, die ersten Banken erhöhen die Hypothekenzinsen, und die Inflationsrate bewegt sich ebenfalls nach oben. Im Einzelhandel blicken die Kaufleute weiter sorgenvoll in die Zukunft, das Geschäftsklima hat sich laut Ifo im Westen verschlechtert. Auch im Osten erholt sich die Wirtschaft weiter.Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer Ost kletterte im August um 0,3 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent - der höchste Wert seit Dezember 1995. Der Anstieg des Indikators läßt auf ein höheres Wachstum im zweiten und dritten Quartal schließen, in den ersten drei Monaten stieg es um 2,9 Prozent - nach 2,0 Prozent im Vorjahr.Den Aufschwung im Osten trug im Juni vor allem das Verarbeitende Gewerbe, wobei besonders die Vorleistungssparte zulegte.Die Investitionsgüterfirmen mußten dagegen einen Einbruch verzeichen, nach üppigen Zuwachsraten in den Vormonaten.Entsprechend günstig beurteilen die Unternehmen ihre gegenwärtige Lage und ihre Zukunft.Der Ifo-Geschäftsklima-Index stieg im Juli weiter an.Trübe sieht es weiter auf dem Bau und im Einzelhandel aus.Die Stimmung bei den Händlern war im Juli laut Ifo auf einem neuen Tiefpunkt angelangt; besonders schlecht verkaufen sich Möbel und Textilien, die Kraftfahrzeughändler melden dagegen Zuwächse.Beim Bau lag im Osten die Nachfrage im Juni um 15 Prozent niedriger als vor einem Jahr, wobei besonders der Wohnungsbau Sorgen bereitet.Die verschlechterten Abschreibungsbedingungen wirken sich aus.Dennoch: Eine Atempause beim Neubau ist vielleicht gar nicht so schlecht, da immer mehr Immobilien leerstehen.

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