Innovation "four point O" : GE-Chef Immelt fordert mehr Neues aus Europa

Zum ersten Spatenstich vor zwei Jahren kam noch die Kanzlerin. Nun eröffnet GE-Chef Immelt in Berlin das neue Trainingszentrum ohne sie - aber mit Publikum.

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Erst Indien, dann Berlin. Jeff Immelt war in den vergangenen Tagen viel unterwegs.
Erst Indien, dann Berlin. Jeff Immelt war in den vergangenen Tagen viel unterwegs.Foto: REUTERS

Jeff Immelt fällt es nicht leicht. „Industry four point 0“ ist für den Chef von General Electric an diesem Freitagmorgen in Berlin-Marienfelde ein Zungenbrecher. Kein Wunder, ist der Begriff Industrie 4.0 ja eine deutsche Erfindung und beschreibt den Wandel, den die Industrie durch die Digitalisierung nimmt und nehmen wird. Die Amerikaner nennen diesen Prozess – bei dem es, verkürzt gesagt, um intelligente Roboter, funkende Fabriken und die sinnvolle Auswertung riesiger Mengen an Maschinendaten geht – einfach Industrial Internet.

Als der GE-Chef vor zwei Jahren den ersten Spatenstich für das Global Technical Learning Center in Berlin setzte, tat er das gemeinsam mit der Bundeskanzlerin. Nun ist das Schulungszentrum für Mitarbeiter und Kunden fertig und Immelt wieder da. Auf seinen prominenten Sidekick muss er an diesem Tag zwar verzichten, auf zahlreiches Publikum im ersten Stock des 2500 Quadratmeter großen Komplexes mitten im Industriegebiet indes nicht.

Ob nun Industrial Internet oder Industrie 4.0 – „Buzzwords“, also Schlagworte, wie diese sagten ohnehin nicht so viel, plaudert Immelt von der Bühne herab in den Saal. Viel wichtiger sei es zu erklären, wofür sie stehen: Mehr Effizienz, mehr Leistung bei weniger Verbrauch – gerade bei einem Konzern, der wie der deutsche Konkurrent Siemens weltweit Turbinen, Kraftwerke baut und im Transport- und Verkehrswesen zu Hause ist, spielt das Thema Digitalisierung eine große Rolle. 500 Sensoren seien in einer modernen Gasturbine verbaut, sagt der 59-Jährige. Die Daten, die solche Maschinen produzierten, ermöglichten vor allem eines: Innovation. Zehn Millionen Euro will der US-Konzern am Ende in Marienfelde investieren. Der Senat fördert das Projekt mit gut einer Million Euro. 120 Jobs sollen entstehen.

Acht Tage auf Reisen

Seit 33 Jahren ist Immelt Manager bei General Electric. 1982, erzählt er, arbeitete er für Kunststoffsparte des Konzerns und hatte viel mit der Autoindustrie zu tun. „Damals kam alles Innovative in diesem Bereich aus Europa.“ Das sei heutzutage anders – und das wolle er ändern. „Wir beschäftigen sehr innovative Teams, hier in Deutschland, in Europa“, sagt er. Innovative Teams mit innovativen Märkten zusammenzubringen, sei sein Ziel. Deshalb suche GE den Kontakt zur Politik. Auf europäischer, nationaler, auch ganz konkret auf lokaler Ebene.

Eine hübsche Überleitung zu seiner Nachfolgerin am Rednerpult. Dass Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) – auch ihm zu Ehren – auf Englisch vom Digitalstandort Berlin spricht, bekommt Immelt nicht mehr mit. Acht Tage war er an GE-Standorten in aller Welt, sagt er. Nun müsse er nach Hause.

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