Innovationen : Kristalle und Diamanten

Im Vorfeld des Innovationspreises Berlin-Brandenburg: Experten diskutieren über die Zukunft der Technologieforschung in Deutschland.

Jan Oberländer

BerlinBerlin - Das Innovationsklima in Deutschland ist nicht schlecht, es kann aber noch besser werden. So fasst Manfred Hennecke die Lage zusammen. Im Vorfeld des Innovationspreises Berlin-Brandenburg diskutierte der Präsident der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung am Donnerstagabend im Adlershofer Technologiepark mit anderen Experten über die Zukunft von Forschung und Entwicklung.

Konstruktive Vorschläge gab es viele. In der Öffentlichkeit müsste mehr über die Chancen als über die Risiken neuer Produkte und Dienstleistungen geredet werden, forderte Hennecke. Die gegenwärtige Förderpraxis sei viel zu sehr darauf fixiert, Risiken zu vermeiden. Das wirke lähmend. Ein Fehlschlag – „oder auch mal eine Verschwendung“ – müsste auch mal gelassen ertragen werden.

Hagen Tiedtke, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik, forderte eine „Entbürokratisierung“ der Vergabeprozesse. „In Deutschland gehen Fördergelder an diejenigen, die am besten die Formblätter ausfüllen können.“ Ebenfalls zu bürokratisch fand Tiedtke die vom Rest des Podiums geforderten steuerlichen Vergünstigungen für Firmen, die in Forschung investieren. Vielmehr sollte es eine „Vertriebs- und Absatzförderung“ geben.

Das Bestehen auf dem Markt wurde einhellig als die entscheidende Herausforderung für innovative Produkte und Dienstleistungen gesehen. Eine gute Idee allein reiche nicht aus, sie müsse auch verkauft werden. „Jede neu gegründete Firma braucht jemanden, der mit den Kunden spricht“, sagte der Adlershofer Softwareunternehmer und Gründerberater Raymond Horn.

Auch eine verbesserte „Netzwerkkultur“ zwischen der Forschung und „innovativen Mittelständlern aus der Region“ wurde angeregt. „Das Physik-Institut der Humboldt-Uni ist hier gleich nebenan, ich müsste nur mal rübergehen“, stellte Horn selbstkritisch fest. Einig waren sich alle Experten, dass ein staatlicher „Innovationsfonds“ nach dem Vorbild der Filmfonds eine sinnvolle Einrichtung wäre.

Die von Tagesspiegel-Redaktionsdirektor Gerd Appenzeller moderierte Runde diente nebenbei auch dem Zweck, auf den mittlerweile 26. Innovationspreis hinzuweisen. Noch bis zum 24. Juli können Firmen, Teams oder Einzelpersonen sich mit ihren Entwicklungen bewerben, die Preisentscheidung trifft eine 16-köpfige Jury unter dem Vorsitz von Manfred Hennecke. Der Preis wird jeden Dezember an maximal fünf Bewerber vergeben. Durchschnittlich 140 Innovationen werden pro Jahr eingereicht, bisher waren es mehr als 3000. Zehn der insgesamt 108 Preisträger haben mehrmals gewonnen.

Im vergangenen Jahr ausgezeichnet wurden ein mit Arzneimittel beschichteter Ballonkatheter zur Behandlung von Arterienverengungen, eine neue Technologie, Kristalle für die Halbleiter- und Solartechnik zu züchten, Materialien für keramische Hitzeschilde für Gasturbinen sowie Nanodiamanten, die dem Körper helfen, Medikamente aufzunehmen. Das Preisgeld von je 10 000 Euro ist für Forschungsunternehmen zwar nicht viel, die gewonnene Aufmerksamkeit kann aber sicher nicht schaden. Die Siegerfirmen, erklärt Hennecke, seien meist überdurchschnittlich erfolgreich. Jan Oberländer

Weitere Informationen im Internet unter www.innovationspreis-bb.de

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