Innovationspreis Berlin-Brandenburg : Besser hören, schöner sehen

Acht Firmen wurden für den Innovationspreis Berlin Brandenburg nominiert. Sie überzeugen mit Entwicklungen aus den verschiedensten Bereichen. Mit dabei ist ein junges Unternehmen aus Moabit, das vor allem ältere Menschen ansprechen will.

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Hören und Sehen. Vor allem Senioren sollen von der Technik profitieren.
Hören und Sehen. Vor allem Senioren sollen von der Technik profitieren.Foto: picture-alliance/ dpa

Im Prinzip ist es ein klassischer Werdegang: Idee, Forschungsprojekt, Diplomarbeit, eigene Firma. Doch nur selten geht es bei der Existenzgründung so glatt wie bei Ginetta Fassio und Christian Simon. Das hat mit dem schlüssigen Konzept der beiden zu tun. „Jeder vierte Deutsche hat Probleme mit der Sprachverständlichkeit. Für diese Menschen wollten wir den Hörgenuss wieder herstellen“, sagt Fassio. Also entwickelte die 26-Jährige zusammen mit einem Kommilitonen von der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam eine Software, mit der auch Senioren und Hörgeschädigte problemlos hören können, ohne dabei den Lautstärkeregler bis aufs Maximum zu drehen.

Easy-Listen-Tonfassung nennt sich das Produkt. Easy Listen GmbH heißt das erst vor zwei Monaten gegründete Unternehmen dazu, das neben sieben anderen nun für den Innovationspreis Berlin-Brandenburg nominiert wurde. Er ist mit je 10 000 Euro dotiert und wird am 2. Dezember in den fünf Bereichen Gesundheitswirtschaft, Energietechnik, Medien/Kreativwirtschaft, Optik und Verkehr/Mobilität/Logistik vergeben. „Innovationen sind ein wichtiges Thema in der Hauptstadtregion, über sie werden Arbeitsplätze geschaffen“, sagte die Berliner Wirtschaftsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt bei der Bekanntgabe der Nominierten am Mittwoch.

Neben Easy-Listen schickt die Firma Astro- und Feinwerktechnik aus Adlershof einen Satellitenbus für den Weltraum ins Rennen um den Preis, Geo-Clima bewirbt sich mit einer modularen Speichervorrichtung und die IAV GmBH mit einer neuen Antriebseinheit für E-Fahrzeuge. Zudem sind eine kombinierte Methode für Netzhautuntersuchungen (von Roland Consult), ein LED-Transfermodul (Semperlux), ein Flugstromvergaser (Siemens) und eine pflanzenbasierte Druckmesssonde (ZIM Plant Technology) in der Finalrunde vertreten. All diese Innovationen haben sich im Feld von über 150 eingereichten Bewerbungen bislang durchgesetzt. Der Juryvorsitzende Manfred Hennecke erklärt: „Wichtig ist nicht nur der Neuigkeitswert des Produkts, sondern auch seine reale Marktchance.“

Die softwarebasierte Technologie von Ginetta Fassio und ihrem Kollegen hat dieses Kriterium erfüllt. Per Plug-In wird sie in die Tonstudiotechnik implementiert, wodurch eine neue Audiospur erstellt werden kann, die den Klang und die Sprachverständlichkeit schon bei der Herstellung optimiert. Zusätzliche Geräte sind dadurch nicht erforderlich. Für den Nutzer, der vor allem in der Zielgruppe 50 plus angesiedelt ist, entstehen so keine Kosten. Dafür können sich die Hörgeschädigten künftig das anstrengende Lesen der Untertitel sparen.

Das kommt an: Bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten befindetet sich die Innovation aus Berlin bereits im Piloteinsatz. Im nächsten Jahr soll der DVD-Markt hinzukommen – und dann will die kleine Firma ihr Mini-Büro in Moabit auch gegen ein größeres tauschen. Die Perspektive ist gut, auch weil „die Tonfassung von TV, über Internet bis Kino überall angeboten werden kann. Es ist ein neuer Komfort“, sagt die Entwicklerin. Fassio ist zuversichtlich, dass es mit ihrem Unternehmen rasant weiter- geht. Vielleicht auch mit der Hilfe des Innovationspreises.

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