Wirtschaft : Innovationspreis Berlin/Brandenburg: Rückenwind für Ideen

Marion Hartig

Er soll Instrument der Wirtschaftsförderung sein, die Kreativität und Eigeninitiative von kleinen und mittelständischen Unternehmen fördern. Aber hält der Innovationspreis Berlin / Brandenburg, was er verspricht? Welche Rolle spielt der "Oscar" zukunftsweisender Produkte für die Preisträger? Wie sieht es mit der Langzeitwirkung für die Firmenentwicklung aus? Das sind Fragen, die am besten die Preisträger des vergangenen Jahres beantworten können. Im Jahr 2000 waren dies fünf:

Wider Erwarten habe der Preis zu wichtigen Kontakten geführt, erzählt der Geschäftsführer der Medizintechnik-Firma "UbiCom", Ulrich Pilz. Und nicht nur das ausgezeichnete Produkt, der CardioMonitor zur mobilen Überwachung von Herzrisikopatienten, sei auf Interesse gestoßen. Mittlerweile arbeite man an der Weiterentwicklung der Idee für Asthmatiker und Diabetiker. Zwei Aufträge habe das Unternehmen bereits. Weitere Projekte seien geplant.

Wenig Kontakte brachte der Innovationspreis hingegen dem Mikrotechnologie-Unternehmen "Welco". Die Firma akquiriere ihre Kunden weltweit, der Ruf der Auszeichnung aber schalle kaum über die deutschen Grenzen hinaus, erklärt Geschäftsführer Jürgen Schulze. Allerdings sei der Preis zum internen Motivationsmotor geworden. Er habe bestätigt, dass die Firma mit ihrem ultrafeinen Lotpulver auf dem richtigen Weg sei. Eine Prognose, die sich bewahrheitete: Der Umsatz des Unternehmens habe sich im letzten Jahr vervierfacht.

Wichtigen Rückenwind schreibt "Scienion"-Vorstand Holger Eickhoff dem Innovationspreis zu. Viele Diskussionen über die Marktfähigkeit des entwickelten 2D / 3D-BioChips seien dem 2001 gegründeten Biotechnologie-Unternehmen erspart geblieben. Die Auszeichnung sei kein "Juxpreis" und genieße bei potenziellen Kunden einige Anerkennung. Sie habe sich zu einem wichtigen Werbeinstrument etabliert. Schlecht aber lasse sich der direkte Erfolg auf den Abschluss von Aufträgen einschätzen.

Ganz direkt widerum lässt sich die Auswirkung des Preises auf einem anderen Gebiet ablesen: Viel leichter zu Geld komme man mit der Innovationspreis-Urkunde in der Hand, ist sich der kaufmännische Vorstand der Biotechnologie-Firma "Capsulution", Alexander Herrmann sicher. Weitaus positiver sei die für die Entwicklung neuartiger Nano- und Mikrokapseln ausgezeichnete Firma bei Venture Capital Gesellschaften bewertet worden.

Für das Unternehmen "KE-Kranbau" habe sich besonders der produktbezogene Einsatz des Preisgeldes gelohnt, berichtet Vorstand Reinhard Wolk. Mit dem Gewinn von 20 000 Mark finanzierte die 1932 gegründete Firma internationale Messeauftritte, um den mobilen Feeder Server Brückenkran bekannt zu machen - was dem Unternehmen neue Verträge einbrachte: Vier Mal konnte das innovative Kransystem im letzten Jahr verkauft werden. Gerade für junge Firmen biete der Wettbewerb einen Anreiz. Er zeige Zukunftschancen auf, unterstütze bei der Realisierung von Wirtschaftsideen, begrüßt KE-Vorstand Wolk den Wettbewerb.

Doch auch Kritik ist aus den Reihen der Ausgezeichneten zu hören: Ganz schöpfe der Preis seine Möglichkeiten nicht aus, meint Scienion-Vorstand Eickhoff. Die Chance, die Preisverleihung als wirkliches Networking Event zu veranstalten, Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik an einen Tisch zu bringen, würden die Organisatoren nicht in wünschenswertem Umfang nutzen.

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