Innovationsschub : „Wir müssen ein bisschen paranoid sein“

Immobilien-Scout ist Marktführer bei Wohnungssuche. Jetzt holen die Berliner sich junge Firmen ins Haus, die an neuen Produkten arbeiten.

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Seit Dezember 2009 verantwortet der Marc Stilke als Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung der Immobilien Scout GmbH die Bereiche Strategie, Marketing, Vertrieb und Produkte.
Seit Dezember 2009 verantwortet der Marc Stilke als Geschäftsführer und Sprecher der Geschäftsführung der Immobilien Scout GmbH...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Joel Dullroy hatte anfangs Sorge, dass sein neuer Arbeitsplatz sein junges Unternehmen vielleicht verändern wird. Das fürchtet er nicht mehr. „Die Atmosphäre ist hier wirklich frei und offen – und wir lernen viel“, sagt Dullroy. Im September ist der Australier mit seinem Start-up Deskwanted.com bei Immobilien-Scout eingezogen. Damals richtete die Telekom-Tochter an ihrem Standort am Berliner Ostbahnhof ein Innovationslabor ein. Hier sollen junge Unternehmen Raum bekommen, um ihre Produkte zu entwickeln und um zu wachsen. „In so einem großen Unternehmen wie Immobilen-Scout mit 550 Mitarbeitern ist es schwierig, sich die Innovationskraft zu bewahren“, sagt Holger Dieterich, der das „You Is Now“ genannte Innovationslabor leitet. Darum holt sich Immobilien-Scout den kreativen Gründer ins Haus.

Die Geschäftsidee von Deskwanted.com ist es, freie Schreibtische zu vermitteln. Nicht nur in Berlin entstehen gerade immer mehr dieser Coworking-Spaces, also Gemeinschaftsbüros auf Zeit, in denen Freischaffende oder junge Firmen, die sich keine eigenen Büros leisten können, Arbeitsplätze mieten können. Der Charme dieser Lösung ist nicht nur, dass sie billiger ist und man flexibel bleibt, dort kann man sich auch mit anderen austauschen, die in der gleichen Lage sind. „Der Markt für Büroimmobilien befindet sich im Umbruch, weil sich die Arbeitswelt verändert“, sagt Dullroy. „Es ist eine stille Revolution: Immer mehr Menschen arbeiten flexibel und brauchen flexible Arbeitsplätze.“ Jedes Büro, meint Dullroy, könnte bald ein geteiltes Büro sein. Deskwanted.com hilft dabei auch denen, die freie Büroflächen haben, diese zu verwalten und optimal auszulasten.

Bis zu 500 000 Euro investiert Immobilien-Scout in die einzelnen Projekte, das Jahresbudget liegt bei etwa 2,5 Millionen Euro. Sechs bis zwölf Monate können die Start-ups bleiben. Neben Deskwanted.com sitzen derzeit drei weitere Start- ups im Innovationslabor, das damit selbst ein Coworking-Space ist: Bauen wohnen leben 24 entwickelt eine Facebook-Anwendung für alle, die ein Haus bauen oder eine Wohnung renovieren oder einrichten wollen. Über die Anwendung kommt das gewünschte Katalog- und Prospektportal direkt aufs Smartphone. Noknok wiederum arbeitet an einer sozialen Suche für WG-Zimmer und WG-Mitbewohner, Flatango an einer Facebook-App, mit der man Freunden helfen kann, eine Wohnung oder Nachmieter zu finden.

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