Wirtschaft : Ins Web mit Ford: Deutschland denkt anders (Kommentar)

Corinna Visser

Wenn Manager etwas verschenken wollen, dann muss man skeptisch sein. Schließlich geht es den Unternehmen in erster Linie immer darum, ihren eigenen Gewinn zu maximieren - Mit Selbstlosigkeit hat das unternehmerische Geschäft nichts zu tun. Doch offenbar ist die Skepsis nicht in jedem Land der Welt gleich groß. Die spektakuläre Ankündigkung des amerikanischen Automobilkonzerns Ford, weltweit alle Mitarbeiter des Hauses auf Kosten des Unternehmens mit einem Computer und Internetanschluss zu versorgen, fanden Amerikaner, Briten und Spanier großartig. Die Fordmitarbeiter können so zuhause am eigenen Computer Erfahrungen mit dem Internet sammeln - Kenntnisse, die sie dann natürlich auch im Unternehmen einbringen können. Das nutzt den Menschen, die etwas lernen. Und das nutzt dem Unternehmen, das seine Mitarbeiter qualifiziert und natürlich auch dem Staat, der ebenfalls von besser qualifizierten Bürgern und leistungsstärkeren Unternehmen profitiert.

Doch in Deutschland hat Ford die Rechnung ohne das Finanzamt gemacht. Bei Geschenken an die Mitarbeiter will der Staat mitverdienen. Dass er langfristig mehr Steuern einnehmen kann, wenn ein Unternehmen seine Konkurrenzfähigkeit im internationalen Wettbewerb steigert, war den Finanzbeamten offenbar keine weitere Überlegung wert.

Deutschlands Weg ins Informationszeitalter ist noch weit. Es reicht nicht, dass Politiker klangvolle Initiativen ins Leben rufen und die Unternehmen dann trotzdem über die Hürden der Bürokratie stolpern.

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