Insiderhandel : Airbus-Chef: "Ich bin unschuldig"

Airbus-Chef Thomas Enders hat die Vorwürfe wegen angeblicher Insidergeschäfte bei dem Flugzeugbauer und der Konzernmutter EADS zurückgewiesen.

Juliane Schäuble

Berlin - Airbus-Chef Thomas Enders hat die Vorwürfe wegen angeblicher Insidergeschäfte bei dem Flugzeugbauer und der Konzernmutter EADS zurückgewiesen. „Ich habe niemals ein Insiderdelikt begangen und ich bin von niemandem eines Insiderdelikts beschuldigt worden“, heißt es in einem Schreiben von Enders an die Airbus-Beschäftigten, das dem Tagesspiegel vorliegt. Auch die französische Finanzaufsicht habe ihn nicht beschuldigt. „Ich weise kategorisch die Anschuldigungen und Andeutungen in der Presse zurück.“ Enders forderte die Behörden zudem auf, ihre Untersuchung schnell abzuschließen.

Die Zeitung „Le Figaro“ hatte am Mittwoch Auszüge aus einem vorläufigen Bericht der Pariser Börsenaufsicht AMF veröffentlicht, der an die Justiz weitergegeben worden war. Demnach sieht die Behörde Hinweise auf mögliche Insiderdelikte von Top-Managern und Großaktionären vor Bekanntgabe der Lieferprobleme bei dem Riesen-Airbus A 380. Die Ankündigung im Juni 2006 schickte die Aktie des europäischen Rüstungs- und Luftfahrtkonzerns EADS auf Talfahrt.

Enders kritisierte die Börsenaufsicht: „Die AMF hat sich bislang geweigert, uns eine Kopie des im „Figaro“ zitierten Berichts zur Verfügung zu stellen. Ohne eine solche Kopie sind wir aber nicht in der Lage, uns in geeigneter Weise gegen Vorwürfe zu verteidigen.“ Er erwarte, dass die Börsenaufsicht nunmehr „rechtlich einwandfrei und transparent“ vorgehe. Auch werde er alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um seinen Ruf und den von Airbus zu schützen.

Enders erklärte weiter, er habe der AMF vor zwei Wochen detailliert dargelegt, dass es für ihn bei dem Aktienverkauf im November 2005 keinen Grund zur Annahme gegeben habe, damit gegen geltendes Recht zu verstoßen. Enders, der damals Ko-Chef von EADS war, hatte nach Angaben des Konzerns zum fraglichen Zeitpunkt 50 000 Aktienoptionen umgewandelt und einen Gewinn von rund 712 000 Euro erzielt.

EADS-Chef Louis Gallois stellte sich hinter sein Top-Management. „Hiermit spreche ich Ihnen mein Vertrauen aus“, schrieb Gallois an seine Mitarbeiter, ohne Enders beim Namen zu nennen.

Die Bundesregierung begrüßte die Untersuchungen. „Es ist völlig richtig, wenn die zuständigen Behörden diese Ermittlungen führen“, sagte ein Sprecher. Jedoch könne die Regierung zu dem laufenden Verfahren keine Stellung nehmen. „Wir haben keinen Einblick in die bisherigen Ermittlungsunterlagen und die Kenntnisse der französischen Behörden.“

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy betonte, nichts von dem vermuteten Insiderhandel bei EADS gewusst zu haben. „Wenn die Fakten so stimmen, dann sind sie sehr schlimm“, sagte ein Sprecher des Élysée. Man beobachte die Angelegenheit. Sarkozy ist mit Arnaud Lagardère befreundet, dessen Lagardère-Gruppe zu den Großaktionären von EADS zählt. In der Zeit, als EADS-Manager illegale Millionengeschäfte mit Aktien gemacht haben sollen, war Sarkozy Innenminister.

Zu möglichen Verwicklungen des französischen Staates wurde am Freitag im Senat auch der frühere Finanzminister Thierry Breton befragt. Dabei geht es um den Verkauf von EADS-Aktien durch die mit dem Staat verbündeten EADS-Großaktionäre Lagardère und Daimler-Chrysler im April 2006. Breton sagte, er habe keine Informationen über die Umstände des Verkaufs besessen und erst später von Problemen beim Airbus A 380 gehört.

Erfolgsnachrichten kamen am Freitag aus den USA: Die fünftgrößte amerikanische Fluggesellschaft US Airways bestellte 92 Verkehrsflugzeuge bei Airbus, wie beide Konzerne bekannt gaben. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Unter anderem wurden 22 des noch in der Entwicklung befindlichen neuen Großraum-Airbus vom Typ A 350 XWB bestellt, der dem Boeing-Bestseller 787-Dreamliner Konkurrenz machen soll. Die ersten Flugzeuge sollen 2014 an US Airways ausgeliefert werden, das damit als erste nordamerikanische Fluglinie diesen Flugzeugtyp nutzen wird. mit dpa

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