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Insolvente Fluggesellschaft : Niki Lauda bietet 100 Millionen für Teile von Air Berlin

Der Ex-Rennfahrer Niki Lauda plant eine Offerte für 38 Maschinen von Air Berlin. Der Unternehmer Wöhrl warnt derweil vor einem Scheitern der gesamten Übernahmegespräche.

Das Bieterrennen für die insolvente Air Berlin ist im vollen Gange.
Das Bieterrennen für die insolvente Air Berlin ist im vollen Gange.Foto: dpa/Paul Zinken

Der frühere Rennfahrer Niki Lauda will nach eigenen Aussagen gemeinsam mit einer Allianz rund um die Fluggesellschaft Condor 100 Millionen Euro für die insolvente Air Berlin bieten. Eine Einschätzung über seine Chancen gab Lauda Donnerstagfrüh im Radiointerview des "Ö1 Morgenjournals" nicht ab. "Jetzt müssen wir mal schauen, ob wir den Zuschlag bekommen", so der 68-Jährige. Der Unternehmer Lauda hatte die Air-Berlin-Tochter Niki selbst gegründet und war mehrere Jahre Eigentümer. An diesem Freitag endet die Bieterfrist für Air Berlin.

Gemeinsam mit dem britischen Reiseveranstalter Thomas Cook und dessen Tochter, der Ferienfluggesellschaft Condor, habe Lauda nun Pläne für die Verwertung der Air-Berlin-Flieger und der begehrten Start- und Landrechte ausgearbeitet. "Man muss ein Konzept dahinter haben, wie man die Flugzeuge füllt, damit man vom ersten Tag an fliegen kann", so Lauda. Zuerst hatte die Wiener Zeitung "Kurier" über Laudas Pläne berichtet.
Im Bieterrennen um die insolvente Airline habe Lufthansa einen Vorteil, weil dort bereits seit März an dem Projekt der Übernahme gearbeitet werde. Für Lauda sei aber fraglich, ob die Kartellbehörden einem möglichen Monopol zustimmen würden. "Sollte Lufthansa alles bekommen, gibt es in Österreich gar keine Konkurrenz mehr." Passagiere und Reisebüros bräuchten aber Wettbewerber am Markt.

Lauda: Krankmeldungen sind "reines Gift für Air Berlin"

Air Berlin ist seit Mitte August pleite und kann nur dank eines Staatskredits über 150 Millionen Euro weiterfliegen. Interessenten können bis Freitag ein Kaufangebot für den Konzern oder Teile davon einreichen. Laut dem Blatt wollen Lauda und seine Partner neben der von dem Ex-Rennfahrer selbst gegründeten Air-Berlin-Tochter Niki zusätzlich 17 Maschinen von Air Berlin übernehmen. Geplant ist demnach, ausschließlich touristische Ziele auf der Kurz- und Mittelstrecke anzufliegen.

Zu den ungewöhnlich vielen Krankmeldungen von Air-Berlin-Piloten sagte Lauda dem "Kurier", diese seien "reines Gift für Air Berlin". Er verstehe nicht, "warum die Piloten einen Konkurs beschleunigen, bevor Air Berlin verkauft ist". Seit Tagen fallen bei Air Berlin zahlreiche Flüge aus, weil etliche Piloten sich krankgemeldet hatten. Hinter der Krankheitswelle wird ein illegaler Streik der Piloten vermutet. Am Mittwoch gab es dann die Entwarnung: Viele Crews wollten an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Niki Lauda, Ex-Formel-1-Star, Luftfahrtunternehmer und Gründer der Air Berlin-Tochter Niki.
Niki Lauda, Ex-Formel-1-Star, Luftfahrtunternehmer und Gründer der Air Berlin-Tochter Niki.Foto: dpa/APA/Georg Hochmuth

Die Lufthansa hat offiziell ihr Interesse an Air Berlin erklärt. Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl will nach eigenen Angaben bis zu eine halbe Milliarde Euro bieten. Als möglicher Käufer gilt ebenso die Billigairline Easyjet. Insidern zufolge erwägt auch die chinesische Betreiber-Gesellschaft des Flughafens Parchim in Mecklenburg- Vorpommern, Link Global Logistics, eine Offerte.

Wöhrl fürchtet Einstellung des Flugbetriebs

Wöhrl warnte derweil vor einem Scheitern der Gespräche über eine Übernahme von Air Berlin. Mögliche Investoren könnten durch die Flugausfälle "verunsichert werden und sich aus dem Bieterverfahren zurückziehen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". "Bisher konnte ich unsere Partner bei der Stange halten, aber auch in diesem Kreis fragt man sich, ob die Piloten wissen, was sie tun."

Wöhrl befürchtet, dass der staatliche 150-Millionen-Euro-Kredit verbraucht sein könne, ehe die Kaufverträge ausgehandelt seien. Das würde zur "Einstellung des Flugbetriebes und damit möglicherweise zu einem klassischen Insolvenzverfahren führen", sagte er. Die Bundesregierung hatte den Kredit bewilligt, um den Flugbetrieb während des Insolvenzverfahrens zu sichern. Von den 150 Millionen Euro seien bereits 24 Millionen Euro an die Fluglinie überwiesen worden, meldete die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise in Berlin. (Reuters, dpa)

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