Insolvenz als Ausweg : Schlecker fehlt das Geld

Schlecker bekommt die Sanierung aus eigener Kraft nicht auf die Reihe. Einen Großteil der Mitarbeiter will die Drogeriekette dennoch halten. Allein in Berlin gibt es 300 Geschäfte.

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Neues Logo, neuer Schriftzug. Die Probleme des Unternehmens lösen sich damit noch nicht.
Neues Logo, neuer Schriftzug. Die Probleme des Unternehmens lösen sich damit noch nicht.Foto: AFP

Lars und Meike Schlecker sollten die Wende bei Deutschlands größter Drogeriemarktkette bringen: Die Kinder des Firmengründers Anton Schlecker wollten das angeschlagene Unternehmen sanieren, aus eigener Kraft, wie Schlecker immer wieder betonte. Vorerst sind sie damit gescheitert: Schlecker steht vor der Insolvenz.

Das Unternehmen aus Ehingen teilte am Freitag mit, der Insolvenzantrag werde kurzfristig eingereicht, also voraussichtlich am Montag. Schlecker begründete den Schritt damit, dass eine Zwischenfinanzierung für die Sanierung gescheitert sei. Zu der Höhe und der Art der Finanzierung äußerte sich das Unternehmen nicht. Zuletzt hatte es jedoch geheißen, der ehemalige Edeka-Chef Alfons Frenk suche für Schlecker nach Investoren. Nun soll das Unternehmen mit seinen rund 7000 Filialen über ein Planinsolvenzverfahren saniert werden – sofern die Gläubiger mitziehen. „Ziel ist der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze“, teilte das Unternehmen mit.

Für Kunden und Mitarbeiter soll sich zunächst nichts ändern: „Der Geschäftsbetrieb läuft unverändert weiter“, teilte Schlecker mit. Auch die Zahlung der Gehälter sei erst einmal gesichert.

Die Gewerkschaft Verdi forderte am Freitag „volles Engagement bei der Rettung der Arbeitsplätze“ vom Eigentümer. „Es stünde Anton Schlecker gut, wenn er die Sanierung mit seinem eigenen Vermögen begleiten würde“, sagte ein Verdi-Sprecher. Der Forbes-Liste zufolge verfügt der Schlecker-Gründer über ein Vermögen von 2,4 Milliarden Euro.

Die Mitarbeiter hätten sich „auch in den vergangenen schwierigen Jahren mit voller Kraft und großem Engagement für ihr Unternehmen eingesetzt und den Laden am Laufen gehalten“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Nun gehe es darum, die mehr als 30 000 Arbeitsplätze zu retten. Bis Mitte 2012 gilt eine  Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, die betriebsbedingte Kündigungen verhindert. Von der Insolvenz erfuhren die Mitarbeiter Verdi zufolge zunächst aus den Medien.

Schlecker steckt seit Jahren in der Krise: Seit 2008 schreibt das Unternehmen Verluste, 2010 war der europaweite Umsatz um 650 Millionen auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Für 2011 rechnete das Unternehmen erneut mit sinkenden Umsätzen. Der Drogeriemarktkette, die wegen ihrer oft kritisierten Arbeitsbedingungen ein schlechtes Image hat, liefen die Kunden davon. Die Wettbewerber auf dem umkämpften Drogeriemarkt, dm und Rossmann, legten dagegen in den vergangenen Jahre immer weiter zu.

Um den Abwärtstrend zu stoppen, hatte Firmenpatriarch Anton Schlecker seine Kinder Lars und Meike ans Ruder gelassen, steuert im Hintergrund aber offenbar immer noch die Geschäfte. Die jungen Mitinhaber sollten das Image aufpolieren und einen Großteil der oft kleinen und engen Geschäfte verschönern. 2011 modernisierte Schlecker rund 300 Filialen, schloss zugleich 600 Häuser und einzelne Lager. Insgesamt, so verkündete das Unternehmen damals, nehme man 230 Millionen Euro für die Sanierung in die Hand.

Doch in den vergangenen Monaten hatten sich die Gerüchte um Finanzschwierigkeiten gehäuft, Schlecker wollte mit Verdi einen Sanierungstarifvertrag verhandeln. Kunden und Mitarbeiter berichteten von leeren Regalen in einigen Geschäften, Schlecker hatte als Begründung die Umstrukturierung genannt.

Analysten sind skeptisch, ob Schlecker die Wende in dem wettbewerbsintensiven Drogeriemarkt schaffen kann. „Schlecker muss sein Filialnetz massiv verschlanken und sich bessere Lagen suchen“, sagt Handelsanalyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. Die Expansionspolitik der vergangenen Jahrzehnte habe sich nicht ausgezahlt. „Die Modernisierung und die Verschlankung sind richtige Schritte, aber all das geht zu langsam voran“, erklärte Schlienkamp. Schlecker laufe die Zeit davon.

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