Insolvenz : Der einstige Solarstar Conergy ist pleite

Der Hamburger Systemanbieter mit einem großen Werk in Frankfurt (Oder) hofft aber noch auf Rettung.

Mathias Matern

Erneut hat es eines der Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarbranche erwischt: Der einstige Börsenstar Conergy ist unter der Last seiner hohen Schulden zusammengebrochen und hat am Freitag beim Hamburger Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Die Pleite des Hamburger Solaranalgen- und Modulebauers ist auch ein schwerer Schlag für den einst gefeierten Solarstandort Frankfurt (Oder). Nach der Insolvenz des ehemaligen Hoffnungsträgers Odersun und dem Rückzug des US-amerikanischen Solarmoduleproduzenten First Solar im vergangenen Jahr ist nun auch die Zukunft der letzten großen Frankfurter Solarfabrik in Gefahr. In Rangsdorf (Teltow-Fläming) fertigte Conergy zudem Montagesysteme für PV-Anlagen. Beide Fertigungsstandorte seien von der Insolvenz ebenfalls betroffen, hieß es in einer Erklärung von Conergy.

Hauptgrund für die aktuelle Zahlungsunfähigkeit ist nach Unternehmensangaben „das unerwartete Ausbleiben eines Zahlungseingangs aus einem Großprojekt“. Gleichzeitig hätten „erfolgversprechende Verhandlungen über den kurzfristigen Einstieg eines strategischen Investors“ nicht zum Abschluss gebracht werden können, hieß es. „Wir haben unseren kreditgebenden Banken in den vergangenen 15 Monaten zwei konkrete Vorschläge für den Einstieg eines strategischen Investors vorgelegt und bedauern es sehr, dass sie diesbezüglich in keinem Fall eine verlässliche Einigung über eine zeitnahe Umsetzung erzielen konnten“, teilte Conergy-Chef Philip Comberg mit. „Ohne eine tragfähige Kapitalstruktur und die entsprechenden liquiden Mittel können wir das von uns geplante Wachstum jedoch nicht umsetzen.“

An der Börse war Conergy schon lange tief gefallen. In den vergangenen fünf Jahren verlor der einstige Börsenstar mehr als 99 Prozent an Wert und ist damit nach Daten der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz einer der größten Kapitalvernichter in Deutschland. Am Freitag ging es weiter abwärts. Am Vormittag verlor die Aktie fast 70 Prozent vom Vortageswert auf zehn Cent.

Immer wieder hatte Conergy in den vergangenen Jahren versucht, den enormen Schuldenberg abzubauen. Im vergangenen Jahr etwa konnten die Verbindlichkeiten durch eine durchgeführte Kapitalerhöhung von 255 auf zwischenzeitlich 118 Millionen Euro reduziert werden. Wegen der anhaltenden Krise in der Solarbranche konnte die finanzielle Situation aber trotz Umstrukturierung in der Produktion und jüngst eingegangener Großprojekte offenbar nicht nachhaltig verbessert werden.

2011 hatte Conergy wegen erheblicher finanzieller Schwierigkeiten 30 Stellen im Frankfurter Werk gestrichen. Zudem wurde die Wafer- und Zellfertigung eingestellt. Dafür gab es Kritik von der IG Metall. Vergangenen April aber brachte ein Großauftrag über 4000 Module für Griechenland dem Werk wieder Vollauslastung. Derzeit beschäftigt Conergy in Frankfurt noch bis zu 370 von einst 450 Mitarbeitern. Bei der Mounting Systems GmbH in Rangsdorf sind es etwa 200 Beschäftigte. Insgesamt beschäftigt Conergy 1200 Mitarbeiter.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) sprach am Freitag von einer sehr schlechten Nachricht für die Region Ostbrandenburg. Man werde Unterstützung bei der Suche nach einem Nachfolgeinvestor anbieten, kündigte Christoffers an.

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