Insolvenz : Eilt: Käufer für Karstadt gesucht

Für Karstadts Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg tickt die Uhr. Bis zum 31. Mai muss der Kölner Rechtsanwalt einen Käufer für die 120 Waren- und Sporthäuser des Essener Konzerns gefunden haben. So sieht es der bislang geheime Insolvenzplan vor, erfuhr das "Handelsblatt" aus Bieterkreisen.

Christoph Schlautmann

DüsseldorfDen Insolvenzplan, der in dieser Woche im 20-köpfigen Gläubigerausschuss zirkulierte und mehrere Gläubigergremien beschäftigte, will Görg Anfang der Woche beim Essener Amtsgericht hinterlegen – womöglich schon am Montag.

Den Auftrag für einen solchen Plan hatte die Gläubigerversammlung dem Verwalter Mitte November auf den Weg gegeben. Die Gläubiger wollen den Warenhauskonzern durch Neuverhandlungen mit Vermietern, Lieferanten und Mitarbeitern wieder so rentabel machen, dass sich am Ende ein solventer Kaufinteressent findet. Sonst droht Karstadt die Zerschlagung und den Gläubigern, wie Görg sagt, eine enttäuschende Quote „im unteren einstelligen Prozentbereich“. Insgesamt geht es bei der nach Coop zweitgrößten Pleite der deutschen Wirtschaftsgeschichte um Forderungen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro.

„Wir haben aktuell sechs Interessenten im Rennen“, berichtet ein Sprecher Görgs. Ihnen allen habe man den Datenraum geöffnet. Die Frage ist nur, wie ernsthaft sich die möglichen Bieter – ausnahmslos Finanzinvestoren – tatsächlich um Karstadt bemühen. Der zuletzt heiß gehandelte Kandidat Permira jedenfalls habe kein Interesse, erfuhr das „Handelsblatt“ aus Finanzkreisen. Die Frankfurter Private-Equity-Firma war als Favorit genannt worden, weil sie mit Engagements bei Takko, Maxeda oder New Look bereits Erfahrungen in der Branche gesammelt hatte. Schon in der Vorrunde war zudem der italienische Kaufhausbetreiber und Karstadt-Vermieter Maurizio Borletti ausgestiegen, der als einziger strategischer Interessent bekannt wurde. Auch über ein Gebot der Finanzfirma Apollo, der enge Kontakte zu Karstadts Ex-Warenhauschef Stefan Herzberg nachgesagt werden, wurde es zuletzt still.

Als ernst zu nehmender Bieter tritt nach „Handelsblatt“-Informationen dagegen der Essener Unternehmensberater Klaus Appelhoff auf. Dem 57-Jährigen, der gemeinsam mit einem Finanzinvestor den Einstieg vorantreibt, haftet jedoch ein Makel an: Bis 2004 saß Appelhoff selbst im Vorstand von Karstadt, ohne die Talfahrt aufhalten zu können.

In Lauerstellung bleibt deshalb der Metro-Konzern. Platzt der vom Insolvenzverwalter favorisierte Komplettverkauf, könnte Metro noch zum Zuge kommen. Bei der dann absehbaren Zerschlagung hoffen die Düsseldorfer, Zugriff auf 40 bis 50 Warenhäuser zu erhalten, um sie ihrer Tochter Kaufhof unterschieben zu können. Die 30 Sporthäuser würden sie voraussichtlich Otto/Sportscheck überlassen. 

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben