Insolvenz : General Murks

Der größte Autohersteller Amerikas, einst der größte der Welt, geht in die Insolvenz – das ist eine historische Zäsur. General Motors muss jetzt unter der Last der Schulden und auf Druck der US-Regierung radikale Einschnitte umsetzen, die Amerika verändern werden.

Moritz Döbler
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Tapfer bleiben, Cowboy! Die Amischlitten von Pontiac – hier ein Liebhaber mit seinem Schätzchen bei einer Messe in Mühldorf am Inn...Foto: Ullstein

ZEHNTAUSENDE JOBS FALLEN WEG

Über Jahrzehnte war ein Arbeitsplatz bei GM eine sichere Anstellung fürs Leben mit bester Gesundheitsvorsorge auch in der Rente. Die Zeiten sind schon länger vorbei. Die Folgen radikalen Stellenabbaus bei GM beschrieb Regisseur Michael Moore schon vor 20 Jahren in seinem Dokumentarklassiker „Roger & Me“, in dem er die Lage am Standort Flint im Bundesstaat Michigan (siehe Reportage unten) zeigte. Heute beschäftigt der Konzern rund 120 000 Menschen in Nordamerika, bald sollen es weniger als 100 000 sein, damit kaum halb so viele wie vor zehn Jahren. Elf Werke sollen geschlossen werden, drei weitere vorerst stillgelegt.

PONTIAC STIRBT

Eine betont sportliche Marke für die amerikanische Mittelklasse – das war Pontiac. Seit 1909 gehörte sie zu General Motors, also fast von Anfang an. Das bekannteste Modell ist seit Generationen der Firebird, der in Deutschland im Rotlichtmilieu beliebt war. Bekanntheit brachte auch Fernsehdetektiv Rockford mit seinem goldenen Firebird. Der Name Pontiac bezieht sich auf einen Indianerhäuptling. Es ist nicht die erste große Marke, die GM sterben lässt: Der letzte Oldsmobile lief vor fünf Jahren vom Band. Von den Ursprungsmarken bleiben noch Chevrolet, Cadillac und Buick.

HUMMER UND SATURN MÜSSEN WEG

Der schwere Geländewagen Hummer war ursprünglich ein Militärfahrzeug und vom Start weg eine Legende. Als erster Zivilist kaufte der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger einen. Vor zehn Jahren übernahm GM die Markenrechte und dann auch die Produktion der etwas kleineren Nachfolgemodelle H2 und H3. Doch mit der auch in den USA einsetzenden Klimaschutzdebatte fiel der Neuzugang in der GM-Markenfamilie schnell aus der Zeit. Seit einigen Jahren schwindet der Absatz. Verkauft werden soll auch die Automarke Saturn, die so wie Hummer ursprünglich als Hoffnungsträger galt. Erst 1990 wurde sie gestartet, um den ausländischen Kleinwagenherstellern Paroli zu bieten.

OPEL UND SAAB MÜSSEN WEG

Trennen will sich GM neben Opel auch von Saab, dem schwedischen Hersteller. 1989 hatten GM und Saab zunächst eine Partnerschaft aufgenommen, erst seit neun Jahren gehört die Traditionsmarke ganz zu GM. Der US-Konzern wollte so von der wachsenden Beliebtheit europäischer Importfahrzeuge profitieren. Doch die Eingliederung in den Konzern, die Saab zur Verwendung von Plattformen, Motoren und Bauteilen anderer GM-Marken zwang, stieß Freunde der Marke ab.

KLEINWAGEN SOLLEN KOMMEN

Schluss mit den Spritfressern: GM wird von der Regierung, dem neuen Mehrheitsaktionär, dazu verdonnert, einen modernen Kleinwagen herzustellen, der den Marktanteil inländischer Fahrzeuge in den USA von 66 auf 70 Prozent steigern soll. Das Auto, das Chevrolet Spark (zu deutsch: Funke) heißen soll, hatte ursprünglich in China produziert werden sollen. Nun soll das eine der Fabriken in der Heimat übernehmen. Verbrauchen soll der Spark weniger als sechs Liter auf 100 Kilometer – ein Fünftel dessen, was ein Hummer schluckt.

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