Insolvenz : Hygiene-Skandal zwingt Müller-Brot zur Aufgabe

Vor rund zwei Wochen musste Müller-Brot seine Produktion stoppen - nun ist die Großbäckerei pleite. Eine zweite bayerische Bäckerei kämpft ebenfalls mit Hygieneproblemen.

Die Skandalbäckerei Müller-Brot ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen aus Neufahrn in Oberbayern reichte am Donnerstag Insolvenzantrag beim Amtsgericht Landshut ein, bestätigte der Vizepräsident des Landgerichts in Landshut, Christoph Fellner.
In der Bäckerei wird bereits seit zwei Wochen nicht mehr gearbeitet. Lebensmittelkontrolleure hatten Mäusekot und Maden im Mehl gefunden, die Behörden hatten daraufhin am 30. Januar die Produktion in der Fabrik gestoppt. Für diesen Freitag war ein erneuter Kontrolltermin vorgesehen, Müller-Brot hatte geplant, die Produktion wieder aufzunehmen. Wie es jetzt weitergeht, ist unklar. Beim Unternehmen war am Donnerstag Abend niemand zu erreichen.
Müller-Brot zählt zu den zehn größten Bäckereiketten Deutschlands. Die Firma hat 1300 Mitarbeiter, vor ihrer Schließung hatte sie einen Umsatz von rund 115 Millionen Euro im Jahr gemacht. Müller-Brot produzierte bis zu eine Million Brötchen und Brezeln sowie bis zu 70.000 Brote am Tag – für eigene Filialen, aber auch für Supermärkte.
Doch viele Supermarktketten haben sich nach dem Hygieneskandal zurückgezogen. Nach dem Discounter Lidl hat auch Aldi-Süd den Verkauf von Müller-Backwaren eingestellt. Vor wenigen Tagen hatte die Geschäftsführung wirtschaftliche Probleme durch die Lieferausfälle zugegeben, jetzt scheinen sich diese zugespitzt zu haben. Scharfe Kritik kam von Seiten der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Die Beschäftigten durch Lug und Trug in Sicherheit wiegen und parallel das Insolvenzverfahren betreiben. Das ist wirklich das Letzte“, sagte Mustafa Öz von der NGG. Das Vorgehen der Eigentümer sei „menschenverachtend“. Auch die Behörden hätten sich schuldig gemacht.
Müller-Brot ist kein Einzelfall. Wie am Donnerstag bekannt wurde, musste auch eine zweite Großbäckerei in Bayern wegen Hygienemängeln die Produktion einstellen. Bei Biendl und Weber in Donaustauf bei Regensburg fanden Kontrolleure Insekten und zwei tote Mäuse, wie der Leiter der Lebensmittelüberwachung, Pio Baur, sagte. Außerdem hätten sie schwarzen Schimmel in Produktionsräumen und Verkrustungen an Maschinen entdeckt. Das Landratsamt habe bereits am Dienstag einen sofortigen Produktionsstopp angeordnet, teilte Landrat Herbert Mirbeth (CSU) am Donnerstag in Regensburg mit. (hej/dpa/dapd)

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