Insolvenz in Berlin : Traditionsunternehmen Innova gibt auf

Mehr als 30 Jahre verkaufte das Berliner Unternehmen Innova Elektrogeräte, Möbel und Küchen. Jetzt ist das Konzept gescheitert, die Firma ist insolvent.

Abverkauf. Die Filialen von Innova sollen bald schließen.
Abverkauf. Die Filialen von Innova sollen bald schließen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Alles muss raus. In der Innova-Filiale an der Rathausstraße am Alexanderplatz ist der Insolvenz-Verkauf in vollem Gange. Männer mit dicken Oberarmen wuchten Kühlschränke, Waschmaschinen und Elektroherde im Minutentakt auf Sackkarren und schieben die Geräte aus dem Laden. In zwei bis drei Wochen soll das Geschäft wie alle anderen sieben Innova-Filialen in der Stadt leer sein. „Für mich ist die Insolvenz gut, aber es tut mir wirklich leid für die Mitarbeiter“, sagt ein Geschäftsmann, der sich in der Zweigstelle am Alexanderplatz mit mehreren Kühlschränken und Elektroherden eingedeckt hat. An der Kasse blättert der Mann 500 Euro als Anzahlung auf den Tisch. Dank der Geschäftsaufgabe profitiert er von kräftigen Rabatten.

Die Insolvenz stand seit April im Raum

Innova hatte am Donnerstag per Zeitungsannonce das endgültige Aus des Unternehmens verkündet. Die Insolvenz der Firma stand allerdings bereits seit April im Raum. Dennoch war man bis zuletzt zuversichtlich, das Berliner Traditionshaus mit eigener Verwaltung und mithilfe neuer Investoren doch noch weiterführen zu können. Am 28. Juli gab Innova-Geschäftsführer Henry Neumann bei einer Betriebsversammlung in der Filiale am Theodor-Heuss-Platz unter Tränen bekannt, dass alle Rettungsversuche gescheitert seien. Für eine Stellungnahme war Neumann am Freitag nicht zu erreichen. „Er hat sich bei uns für die gute Zusammenarbeit bedankt“, erinnert sich Verkäufer Cris Werner an seinen Auftritt. Für den 52-Jährigen geht mit der Insolvenz seines Arbeitsgebers wie für viele Kollegen und Berliner eine Ära zu Ende. Vor mehr als 30 Jahren eröffnete das Unternehmen seine erste Filiale in der Stadt mit kleinen und großen Elektrogeräten und weißer Ware. In den folgenden Jahren weitete der Mittelständler sein Sortiment auch auf Möbel, Küchen und sogar Schuhe aus und eröffnete weitere Filialen in der Stadt.

Für die Mitarbeiter ist die Insolvenz ein Schock

„Das Geschäft lief lange gut“, sagt Verkäufer Werner. Kunden hätten den Händler viele Jahre vor allem wegen seiner Serviceleistungen geschätzt. Für die Mitarbeiter des Unternehmens ist die Insolvenz ein Schock. 200 Angestellte zählte das Unternehmen im April. Doch nun hat Innova zum 31. Oktober sämtliche Arbeitsverträge gekündigt. Mehr als 100 Mitarbeiter haben die Firma allerdings bereits vorzeitig verlassen. „Die Leute sind niedergeschlagen“, sagt Cris Werner über die derzeitige Stimmung im Betrieb. Der Verkäufer arbeitet seit 20 Jahren bei Innova, schätzte vor allem den kollegialen Umgang und die Zuverlässigkeit im Unternehmen. Nach dem Insolvenz-Verkauf will er sich nach einem neuen Job als Verkäufer umsehen. „Der Markt ist groß“, sagt er. „Ich bin zuversichtlich, dass ich bald etwas Neues finde.“

Konkurrenzdruck auch aus dem Internet machte Innova zu schaffen

Warum Innova gescheitert ist, will der Verkäufer nicht beurteilen. „Fallende Margen, der Konkurrenzdruck in der Branche und der Handel im Internet haben der Firma schwer zu schaffen gemacht“, sagt Kurt Zass von der Verwertungsgesellschaft MHZ, die die Geschäftsauflösung abwickelt. Kunden, die in den vergangenen Wochen Ware bei Innova bestellt und angezahlt haben, sollen ihre Bestellungen trotz der Insolvenz erhalten. Gewährleistungen etwa für Elektrogeräte gehen auf MHZ über. Serviceverträge und Gutscheine verfallen dagegen. Innova-Kunden konnten durch eine einmalig abgeschlossene Clubmitgliedschaft unter anderem Reparaturen oder Ersatzgeräte günstiger erhalten.

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