Insolvenz : Märklin-Berater unter Verdacht

Beim traditionsreichen Modelleisenbahnbauer Märklin wird über die Ursachen für die Pleite gestritten - die Firma hatte vor zwei Wochen Insolvenz angemeldet. Die Justiz untersucht nun hohe Honorare für Unternehmensberater. Derweil wird auf Investoren gewartet.

Hannes Heine
258925_0_14993d18.jpg
Will für Märklin einen Käufer finden: Rechtsanwalt Michael Pluta. -Foto: Davids

BerlinDer Star des Abends bleibt freundlich und geduldig - und das obwohl fast jeder der rund 100 Gäste mit ihm sprechen will. Mit sonorer Stimme beantwortet der großgewachsene Mann die Fragen der Kamerateams. Seine Brille funkelt im Licht der Scheinwerfer. Michael Pluta, Rechtsanwalt aus Ulm und derzeit Insolvenzverwalter des Modelleisenbahnbauers Märklin, sagt immer wieder beruhigend: "Ja, die Marke hat eine Chance. Sie erzeugt positive Emotionen. Und das merken die Menschen."

Erleichtert atmen die zumeist grauhaarigen Herren auf, die am Mittwochabend in die Hauptstadtvertretung Baden-Württembergs gekommen sind. Hier in der Berliner Tiergartenstraße feiert Märklin seinen 150. Geburtstag. Um Pluta bildet sich ein kleiner Schwarm gut gekleideter Herrschaften, auch Ex-SPD-Arbeitsminister Walter Riester ist gekommen. Abgeordnete warten geduldig, um Pluta ihre Visitenkarten zu geben. Er ist der wichtigste Mann des Abends.

Beraterhonorare möglicher Grund für Insolvenz

Angekündigt war auch der Marketingchef von Märklin, gekommen ist er nicht. "Wird viel zu tun haben, der Mann", vermutet eine Dame, während ihr Gatte die Vitrinen mit historischen Exponaten bestaunt. "Die hab' ich auch", ruft er freudig. Seine Frau lächelt verständnisvoll, findet es aber übertrieben, als Pluta scherzt: "Märklin zu retten, ist eine nationale Aufgabe - zumindest für die halbe Nation: die Männer."

Die Feier war schon lange geplant, bevor Märklin vor zwei Wochen im württembergischen Göppingen Insolvenz anmelden musste. Ein Vertreter von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) lässt Grüße ausrichten und spricht von einem "angeschlagenem Geburtstagskind", für das die Insolvenz eine Chance sei, "kein Todesurteil". Wie es soweit kommen konnte, will man von Pluta wissen.

Einen Eilverkauf soll es nicht geben

Vor zwei Wochen hatte der Insolvenzverwalter die hohen Beraterhonorare als einen möglichen Grund genannt. Mehr als 24 Millionen Euro waren so 2006 und 2007 ausgegeben worden. Und während Pluta in Berlin die Gemüter beruhigt, prüft die Stuttgarter Justiz, ob gegen Führungspersonal des Modellbahnbauers ermittelt werden muss. Unklar ist noch, welcher Straftatbestand vorliegen könnte - etwa Untreue oder Betrug. In jedem Fall werde das "Geschäftsgebaren von Verantwortlichen geprüft", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft dem Tagesspiegel. Damit sind offenbar die Millionenhonorare gemeint, die trotz schwieriger Lage an Berater gezahlt worden sind. 2008 machte Märklin 128 Millionen Euro Umsatz, aber 22 Millionen Verlust im operativen Geschäft.

Märklin stand bereits vor drei Jahren vor der Pleite, seit 2006 gehört das einstige Familienunternehmen den Finanzinvestoren Kingsbridge und Goldman Sachs. "Finanzinvestoren waren damals Mode", sagt Pluta, und es klingt, als wolle er sich für die Entscheidung der damaligen Eigentümer entschuldigen. Diese "andere Firmenkultur" passe jedenfalls nicht zu Märklin. Sanieren müsse nun ein gefühlvoller Käufer. "Auch Finanzinvestoren können kein Geld zaubern, außerdem wollen die ja selbst noch was rausholen", sagt ein Gast, der Referatsleiter in einem Ministerium war und extra für diesen Abend aus Bonn angereist ist.

Pluta sagt, dass es Kaufinteressenten gebe. Vor dem Sommer werde es aber nichts, sagt er dem Tagesspiegel: "Ich will keinen Eilverkauf."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben