Insolvenz : Rosenthal-Mutter steht vor der Pleite

In der derzeitigen Wirtschaftskrise verkauft sich teures Porzellan schlecht. Doch die Tässchen und Tellerchen des irischen Konzerns Waterford Wedgwood verstauben schon länger in den Vitrinen der Händler. Das hat schwerwiegende Folgen.

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Derzeit kein Kassenschlager: das Porzellan von Waterford Wedgwood. - Foto:AFP

London Der irische Kristall- und Porzellanwarenkonzern Waterford Wedgwood, dem auch der oberfränkische Porzellanhersteller Rosenthal gehört, ist teilweise pleite. Für das Geschäft in Irland und Großbritannien wurden Insolvenzverwalter benannt, wie das Unternehmen mitteilte. Rosenthal selbst ist nach eigenen Angaben nicht betroffen. Die Spitze des oberfränkischen Porzellanherstellers werde umgehend mit dem Insolvenzverwalter Kontakt aufnehmen, um die Weiterführung des Unternehmens sicherzustellen, teilte Rosenthal im bayerischen Selb mit.

An der irischen Börse wurden die Aktien von Waterford Wedgwood vom Handel ausgesetzt. Durch die Insolvenz sind rund 2700 Jobs in Irland und Großbritannien bedroht. Aktivitäten in anderen Ländern sind nicht betroffen. Neben Waterford Crystal, Wedgwood und Rosenthal zählt auch die Marke Royal Doulton zum angeschlagenen Konzern, der in Deutschland vor allem durch das hellblaue Wedgwood-Porzellan mit weißen Verzierungen bekannt ist.

Rosenthal hofft auf Investor

Der irische Konzern hält 90,7 Prozent der Rosenthal-Anteile. Die deutsche Porzellanmanufaktur im bayerischen Selb steht jedoch seit Monaten zum Verkauf. "Die Gespräche mit einem potenten Investor über den Verkauf von Rosenthal befinden sich in einem fortgeschrittenen Zustand und werden weitergeführt", hieß es bei dem Unternehmen in Selb.

Nach fünf verlustreichen Jahren in Folge hatte Waterford Wedgwood zuletzt vergeblich versucht, neue Investoren zu gewinnen und das Geschäft umzustrukturieren. Der Konzern hatte vor allem auf seinem Hauptmarkt USA massive Umsatzeinbrüche verzeichnet. Wegen der Finanzkrise war der Absatz allein im Oktober 2008 um 19 Prozent zurückgegangen.

Management war zu langsam

Der Konzern beschäftigt weltweit rund 8000 Menschen, neben Irland, Großbritannien und Deutschland auch in den USA, Kanada, Australien, Indonesien und Japan. "Als sich die Marktbedingungen verschlechterten, wurde klar, dass die Restrukturierung nicht schnell genug erreicht werden kann", hieß es in einer Mitteilung von Waterford Wedgwood. Da kein Investor gefunden werden konnte, sei die Ernennung eines Insolvenzverwalters nötig geworden.

Der Handel soll aber während der Suche nach einem Käufer weitergehen. Unternehmenschef David Sculley zeigte sich optimistisch, noch einen Investor finden zu können. Analysten gehen davon aus, dass die Marke unter neuen Besitzern erhalten bleiben kann. (sf/dpa)

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