Wirtschaft : Insolvenzen befinden sich auf dem niedrigstem Stand seit 1991

Die Zahl der Unternehmenspleiten in Europa ist auf den niedrigsten Stand seit 1991 gefallen. Wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag in Düsseldorf berichtete, wurden 1999 europaweit 182 200 Insolvenzen gezählt, nach 190 300 im Jahr zuvor. Von den 15 Staaten verzeichneten zehn eine günstige Entwicklung. In Deutschland meldeten 33 500 Firmen Konkurs an, ein Rückgang binnen Jahresfrist von 1,4 Prozent. Vieles spreche dafür, dass auch in den nächsten Jahren die Pleitewelle weiter abebbe, meinte Creditreform-Chef Helmut Rödl.

Besonders deutlich nahm laut Creditreform die Zahl der Pleiten mit 24,5 Prozent in den Niederlanden ab. Danach folgten Frankreich mit einem Minus von 24 Prozent und Schweden (minus 20,7 Prozent). Negativ fielen darüber hinaus auch Großbritannien, Irland und Österreich auf. Dort nahmen die Unternehmenspleiten zwischen 21 und 25 Prozent zu.

Nach Angaben der Auskunftei sind in der Europäischen Union durch die Pleiten im vergangenen Jahr insgesamt 1,4 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen, im Jahr zuvor waren es noch 1,6 Millionen. Vor allem in der Baubranche sei die Zahl der Pleiten besonders hoch. In Deutschland gehörte etwa jeder vierte Pleitebetrieb dieser Branche an. Als besonders anfällig für Insolvenzen erwiesen sich auch der Handels- und der Dienstleistungssektor. In Deutschland machen Dienstleister 37 Prozent aller Pleite-Unternehmen aus.

Die erwartete positive Konjunkturentwicklung in Europa könne die Insolvenzrate auch in den nächsten Jahren sinken lassen, so die Creditreform. In Deutschland sei aber keine Angleichung der Pleitenzahlen zwischen Ost und West zu erwarten. In Ostdeutschland müsse auch in den kommenden Jahren mit mehr Insolvenzen gerechnet werden. Großbetriebe haben nach Angaben der Creditreform weitaus größere Chancen zu überleben als Mittelständler. "Große Unternehmen werden nicht geschlossen, sondern aufgekauft", meinte Rödl.

Kritisch ist nach Darstellung von Creditreform weiter die geringe Eigenkapitalquote der mittelständischen Betriebe in Deutschland. Während hier zu Lande die Eigenkapitalquote zwischen zehn und 20 Prozent liege, wiesen Firmen in Großbritannien und den Niederlanden Eigenmittel in Höhe von mehr als 50 Prozent der Bilanzsumme aus. Zu den häufigsten Gründen für einen Konkurs zählt das Ausschöpfen von Lieferantenkrediten. In Belgien, Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich ist die schlechte Zahlungsmoral der Kunden ein Hauptproblem. Wer Waren nach Italien (92 Tage), Frankreich (60 Tage) oder Belgien (63 Tage) liefert, muss nach Angaben von Creditreform lange auf sein Geld warten. Schneller zahlen die Kunden in Schweden (31 Tage), Deutschland (41 Tage) und den Niederlanden (44 Tage).

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