Wirtschaft : Insolvenzen: Die neue deutsche Pleitewelle

Daniel Rhee-Piening

Mit Statistiken läßt sich alles belegen. Dies zeigt sich wieder einmal an den Zahlen über Unternehmensinsolvenzen, die das Statistische Bundesamt am Freitag vorgelegt hat. Um mehr als 19 Prozent hat ihre Zahl im ersten Halbjahr dieses Jahres zugenommen. Ein deutliches Zeichen für die dramatische Lage der deutschen Wirtschaft, den abflauenden Gründerboom und die Krise der kleinen neuen Internetunternehmen? Ja.

Doch je mehr man sich mit den Details in den Tabellen beschäftigt, desto weniger spektakulär erscheinen die Zahlen über die neue deutsche Pleitewelle wirklich. Zum einen sind all die privaten Haushalte, denen das neue Insolvenzrecht die Möglichkeit einräumt, in Konkurs zu gehen, dabei. Zwar ist es für den Einzelnen immer noch tragisch, wenn er zahlungsunfähig wird und die Insolvenz beantragen muss. Doch für ihn hat sich mit der neuen Rechtslage viel verbessert: Jetzt kann er einen Schnitt und danach einen neuen Anfang machen.

Zum anderen ist die Pleite-Branche Nummer 1 immer noch die Bauwirtschaft. Auch für diese Unternehmen ist es bitter, aufgeben zu müssen. Doch ihre Krise ist - jedenfalls in den neuen Ländern - politisch verursacht. Jahrelang wurden dort Unternehmen mit Steuervorteilen gehätschelt und Gründer ermutigt. Nun muss die Branche schmerzlich wieder auf das Normalmaß schrumpfen. Dass dieser Prozess ausgerechnet in eine Phase wirtschaftlicher Stagnation fällt, ist allerdings schlimm - und wirft noch einmal ein Schlaglicht auf den Unsinn der staatlichen Förderaktionen, die immer zur Unzeit auslaufen.

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