Insolvenzen : Gelungene und gescheiterte Sanierungen

HOLZMANN

Im November 1999 meldet der damals größte deutsche Baukonzern Philipp Holzmann Verluste von umgerechnet einer Milliarde Euro. Die Banken verweigern weitere Kredite, Holzmann geht insolvent. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vermittelt, ein Hilfspaket von 500 Millionen Euro wird geschnürt, der Bund gibt 127 Millionen Euro. Zweieinhalb Jahre später kündigt das als saniert geltende Unternehmen erneut Verluste an, im Juni 2002 wird das Insolvenzverfahren eröffnet, Unternehmensteile werden verkauft. 2007 müssen die 19 an der Sanierung beteiligten Banken rund 210 Millionen Euro an die Gläubiger zahlen, dafür verzichtet der Insolvenzverwalter auf weitere Ansprüche. Nach seiner Ansicht hätten die Banken die aussichtslose Lage des Konzerns erkennen müssen und keinen weiteren Kredit gewähren dürfen.vep

KIRCH

Im April 2002 bricht das Firmenimperium des Medienunternehmers Leo Kirch zusammen. Der Schuldenberg hatte sich auf 6,5 Milliarden Euro summiert. Der Pay-TV-Sender Premiere kam im Jahr 2001 auf ein Minus von 989 Millionen Euro, auch N24 machte Millionenverluste. Hinzu kamen vergleichsweise geringe Gewinne bei Sat1. Kirch wird nach der Pleite mangelndes Verständnis vom Fernsehgeschäft vorgeworfen. Befreit von den Milliardenschulden, fanden fast alle Bereiche der einstigen Kirch-Gruppe neue Besitzer und konnten weitermachen. Jeder zehnte der etwa 6500 Arbeitsplätze fiel dabei weg. vep

HERLITZ

Der Berliner Schreibwarenhersteller muss 2002 Insolvenz anmelden, nachdem Banken nicht mehr bereit sind, für das Unternehmen zu bürgen. Als erstes börsennotiertes Unternehmen wird Herlitz innerhalb kurzer Zeit nach dem neu geschaffenen Insolvenzplanverfahren von Verwalter Peter Leonhard saniert. Nach Abschluss des Verfahrens ist die Mehrheit der 3000 Arbeitsplätze gerettet, der Konzern kann im ersten Halbjahr 2004 wieder zur normalen Geschäftstätigkeit zurückkehren. vep

IHR PLATZ

Nach jahrelangen Verlusten geht die fünftgrößte deutsche Drogeriemarktkette insolvent. Hauptkreditgeber Goldman Sachs übernimmt, 2006 steigt auch noch die US-Investmentgesellschaft Fortress ein. Dadurch kann der Insolvenzplan deutlich früher abgeschlossen werden. Als Teil der Sanierung werden 80 defizitäre Filialen geschlossen, Logistik und Verwaltung besser organisiert. Von den ursprünglich 8800 Arbeitsplätzen fallen 700 weg. Im Jahr 2007 wird das Unternehmen – die Berliner Märkte heißen Drospa – an den Drogeriemarktbesitzer Anton König verkauft. vep

SINN-LEFFERS

Im August 2008 kündigt die ehemalige Karstadt-Tochter Sinn-Leffers mit 4000 Mitarbeitern und 47 Häusern Insolvenz an. Vor allem Mietzahlungen hatten das Unternehmen in die roten Zahlen getrieben. Mit einem harten Sanierungsplan und unter der Aufsicht von Insolvenzverwalter Horst Piepenburg verkleinert sich die Bekleidungskette auf 2000 Beschäftigte und 24 Filialen. Im Mai 2009 ist die Sanierung abgeschlossen, das Amtsgericht Hagen hebt das Insolvenzplanverfahren auf. vep

SCHIESSER

Am 9. Februar 2009 muss der 1875 gegründete Feinripp-Pionier Schiesser Insolvenz anmelden. Der Wäschehersteller hat 56 Millionen Euro Schulden, hatte nicht genügend Geld für die nächste Kollektion, musste 100 Mitarbeiter entlassen. Die Strategie von Insolvenzverwalter Volker Grub: Schluss mit der verlustreichen Fertigung für andere Marken, Ausbau des Internethandels und Erweiterung des Outlet-Verkaufs. In den ersten Wochen nach der Insolvenz profitiert Schiesser von einem enormen Mitleidseffekt in der Region, die Umsätze steigen. Alle 2300 Jobs sind bis jetzt erhalten geblieben. Am 7. Juli entscheidet sich, wie es weitergeht – Kapitalerhöhung der Eigentümerfamilie oder Verkauf. Es gibt bereits Interessenten, darunter ein Konsortium um Wolfgang Joop. dcl

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