Insolvenzen : Immer mehr Firmen gehen pleite

Trendumkehr bei den Insolvenzen: Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ist die Zahl der Firmenpleiten in diesem Jahr erstmals seit 2003 wieder gestiegen. Dafür gab es weniger Verbraucherinsolzenven.

Frankfurt/NeussDie Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank zum ersten Mal seit 1999, als die Einführung der neuen Insolvenzordnung es für Privatleute vereinfachte, Insolvenz anzumelden.

Wie Creditreform am Mittwoch in Frankfurt mitteilte, traten in diesem Jahr 29.800 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter an. Das waren 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die größten unter ihnen waren der Briefverteiler PIN, die Einzelhändler Sinn-Leffers, Wehmeyer und Hertie sowie der bayerisch-hessische Wohnmobilhersteller Knaus-Tabbert. In den westlichen Bundesländern stieg die Zahl der betroffenen Betriebe mit 2,4 Prozent etwas stärker als im Osten mit 1,7 Prozent.

Baubranche besonders betroffen

Im Durchschnitt aller Branchen ging nahezu jedes 100. Unternehmen in die Insolvenz. Überproportional traf es Bauunternehmen, während Industriebetriebe deutlich robuster waren als der Schnitt. Besonders gefährdet waren nach Erkenntnissen der Fachleute vor allem junge Unternehmen in den ersten vier Jahren ihres Bestehens. Auch Betriebe mit geringen Umsätzen unter 100.000 Euro rutschen besonders schnell in die Zahlungsunfähigkeit.

Anzeichen für die befürchte Kreditklemme in der Folge der Finanzkrise ermittelte Creditreform nicht: Wie bereits im Frühjahr vor der Krise berichtete ein Drittel der Befragten, dass es für sie seit dem Herbst 2007 schwieriger geworden sei, bei den Banken an Kredite zu gelangen. Besonders betroffen waren auch hier die Bauunternehmen, von denen viele höhere Sicherheiten aufbieten mussten.

Weniger Privatinsolvenzen durch eingeschränkte Beratung

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen ging bundesweit von 105.300 im Vorjahr auf 98.500 zurück. Auch hier war die Entwicklung im Osten günstiger als im Westen. Die Abnahme beruhe allerdings nicht auf einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, sondern vielfach darauf, dass Gerichte ihre Beratung eingeschränkt hätten, erklärte Creditreform. Die Gesamtzahl der Insolvenzen - wozu zum Beispiel auch ehemalige Freiberufler und persönlich haftende Gesellschafter gezählt werden - sank laut Creditreform binnen Jahresfrist um 4,9 Prozent auf 156.700 Fälle.

Den 711.400 Gewerbeabmeldungen standen Creditreform zufolge 816.000 Neugründungen gegenüber. Dies war der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Vor allem im Versicherungs- und Finanzgewerbe hatten deutlich weniger Bürger Mut, sich selbstständig zu machen. (imo/dpa)

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