Insolvenzen : Pleitewelle schwappt höher

In diesem Jahr werden 40.000 Insolvenzen für Deutschland erwartet. 2009 ist die Zahl der Pleiten in der Region Berlin deutlich gestiegen.

David C. Lerch
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Düsseldorf - Die Wirtschaftskrise treibt immer mehr Unternehmen in die Insolvenz. Das gilt für Europa, für Deutschland und das gilt auch für Berlin, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. In der Hauptstadt rutschten im vergangenen Jahr 1530 Unternehmen in die Pleite – 14 Prozent mehr als 2008. Bundesweit stieg die Zahl der Insolvenzen noch ein wenig deutlicher auf insgesamt 34 300. Im europäischen Ausland wies 2009 kein einziges Land weniger Pleiten auf als im Jahr zuvor. Das traurige Schlusslicht bildet Spanien mit einem Anstieg der Insolvenzen um 94 Prozent.

Der größte Fall hierzulande war das Aus für den Handels- und Touristikkonzern Arcandor mit den Töchtern Karstadt und Quelle. Auch andere traditionsreiche Häuser wie Märklin, Rosenthal oder Escada traf es 2009. Stärker als in der Vergangenheit litt die deutsche Industrie, vor allem die Autozulieferer, unter der Rezession. Dagegen sank die Zahl der Pleiten im Bausektor dank der staatlichen Konjunkturprogramme um zwei Prozentpunkte. Insgesamt schätzt Creditreform den durch die Insolvenzen 2009 entstandenen Schaden auf rund 50 Milliarden Euro.

Für das laufende Jahr sind die Aussichten noch düsterer. Creditreform zufolge könnte die Zahl der Insolvenzen in Deutschland auf 40 000 hochschnellen und damit der Höchststand von 2003 erreicht werden. „Das Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent wird nicht ausreichen, um die Welle der Firmenzusammenbrüche zu bremsen“, sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Es gebe derzeit keinen Silberstreif am Horizont.

Das gilt besonders für den Mittelstand. Bereits 2009 trafen rund drei Viertel der Pleiten kleine und mittelständische Betriebe. Das werde dieses Jahr noch zunehmen, sagte Rödl. Darüber hinaus droht jeder dritte deutsche Mittelständler, die erwartete konjunkturelle Erholung zu verpassen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Demnach mangele es vielen Mittelständlern an der notwendigen Investitionsbereitschaft. „Es gilt, die oft konservative Einstellung der Mittelständler zu durchbrechen, um die Chancen des Aufschwungs nutzen zu können“, sagte Peter Englisch von Ernst & Young.

Unterdessen geht die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) davon aus, dass 2010 mehr deutsche Verbraucher die Krise direkt zu spüren bekommen. Der Anteil werde in diesem Jahr von 23 auf 27 Prozent der Haushalte steigen, berichtete die GfK am Mittwoch in Nürnberg. Das seien 1,5 Millionen Menschen mehr, die ihren Konsum einschränken, weil sie bereits arbeitslos sind oder konkret um ihren Job fürchten müssen. Die GfK erwartet deshalb für 2010 lediglich eine Stagnation des privaten Verbrauchs in Deutschland. 2009 war dieser noch um 0,4 Prozent gewachsen. David C. Lerch

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