Institut in der Krise : Noch mehr Rücktritte beim DIW

Die Probleme beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung weiten sich aus. Nachdem Ende voriger Woche der Vorsitzende des DIW-Kuratoriums, Holger Hatje, zurückgetreten war, folgte ihm am Wochenende nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Institutskreisen sein Vize Tobias Weber.

Beide gaben identische Erklärungen ab. Darin heißt es, dass ihr Rückzug nichts mit den Vorwürfen des Rechnungshofs gegen das DIW zu tun habe. Weber ist Chef des Fußmatten-Dienstleisters City Clean und hatte das Amt im Kuratorium keine vier Woche innegehabt. Der Chef der Berliner Volksbank, Hatje, war knapp ein Jahr Vorsitzender.

Der Landesrechnungshof wirft dem DIW die Fehlverwendung öffentlicher Gelder im Zusammenhang mit dem rechtlich selbstständigen Washingtoner Institut DIW DC vor. Im DIW-Umfeld hieß es, im ungünstigsten Fall müssten Millionenbeträge zurückgezahlt werden. Am Wochenende kündigte zudem der Chef des DIW-Controlling, Rolf Pompe.

Der Berliner Wissenschaftssenat schweigt zu dem noch unter Verschluss gehaltenen Rechnungshofbericht ebenso wie zu der Frage, ob der zum Jahresende auslaufende Vertrag von DIW-Chef Klaus Zimmermann verlängert worden sei. Der Institutsleiter hat sich noch nicht geäußert. Das DIW erklärte bisher lediglich, man werde gegenüber der Senatsverwaltung bis zum 4. Januar Stellung nehmen. Berlin stellt dem DIW jährlich sechs Millionen Euro zur Verfügung, der Bund sieben Millionen.

Das DIW, 1925 gegründet, gilt als eines der renommiertesten Wirtschaftsinstitute der Republik. Zimmermann, der es im Jahr 2000 übernommen hatte, hat sich durch seinen Führungsstil aber nicht wenige Gegner geschaffen. Die Entscheidung, eine Dependance in Washington einzurichten, war 2006 DIW-intern umstritten. Die US-Ökonomin Amelie Constant leitet als enge Mitarbeiterin Zimmermanns das Büro und arbeitet auch am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, das Zimmermann ebenfalls führt und das maßgeblich von der Deutschen Post finanziert wird. (HB/Tsp)

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