Wirtschaft : Institute um russische Wirtschaft besorgt

Wirtschaftsforscher: Regierungswechsel und Asienkrise gefährden Erholung / Niedergang gestoppt BERLIN (AFP).Die verzögerte Regierungsbildung der vergangenen Wochen in Moskau gefährdet nach Einschätzung deutscher Wirtschaftsforscher die sich zaghaft erholende russische Wirtschaft.Nach dem am Mittwoch veröffentlichten gemeinsamen Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle verzeichnete die russische Wirtschaft im vergangenen Jahr erstmals seit 1990 ein leichtes Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP).Die Wirtschaftskraft sei 1996 noch um 4,9 Prozent geschrumpft und habe 1997 wieder um 0,4 Prozent zugelegt."Der wirtschaftliche Niedergang der Russischen Föderation kam im Jahr 1997 endlich zum Stillstand", heißt es in dem Bericht.Zugleich könnten einige Entwicklungen als "Keime einer wirtschaftlichen Erholung interpretiert werden". Allerdings sei die Russische Föderation in den Strudel der asiatischen Währungskrise geraten und habe mit dem Verfall der Weltmarktpreise für Erdöl zu kämpfen.Dadurch seien die russischen Exporterlöse zurückgegangen, was sich im Staatshaushalt bemerkbar gemacht habe, hieß es weiter.In dieser Situation drohe die Neubildung der russischen Regierung mit einem bedenklichen wirtschaftspolitischen Zeitverlust einherzugehen.Es sei zu hoffen, "daß die verlorene Zeit durch um so entschiedeneres Handeln der neuen Regierung wettgemacht wird", schreiben die Wirtschaftsforscher. Entscheidend für die Verhinderung eines weiteren Rückgangs beim BIP 1997 sei die Entwicklung des privaten Verbrauchs gewesen.Der Umsatz im Einzelhandel sei um 2,5 Prozent gestiegen, die entgeltlichen Dienstleistungen für Endverbraucher hätten um 3,7 Prozent zugenommen.Durch die ausländischen Direktinvestitionen in die russische Konsumgüterproduktion sei der Anteil von Importgütern am Markt zurückgegangen.Die Importgüterquote sei zwischen 1992 und 1995 von 23 Prozent auf 52 Prozent gestiegen und 1997 auf 49 Prozent gesunken.Nach den Berechnungen der Wirtschaftsforscher hat sich auch der Anstieg der Verbraucherpreise verlangsamt.Im Jahresdurchschnitt seien die Preise 1997 um elf Prozent gestiegen, 1996 seien es noch 22 Prozent gewesen.Der Preisanstieg habe sich mittlerweile so stark abgeschwächt, "daß er nicht mehr als entscheidendes Hindernis für einen wirtschaftlichen Aufschwung angesehen werden kann", urteilten die Wirtschaftsforscher.Die Arbeitslosenquote in Rußland sank den Angaben zufolge zwischen Dezember 1996 und Dezember 1997 von 9,4 Prozent auf 9,0 Prozent.Allerdings sei dies darauf zurückzuführen, daß die Zahl der Erwerbsfähigen schneller sank als die Zahl der Beschäftigten.Sollte die neue Regierung die angekündigte Umstrukturierung des Unternehmenssektors ernsthaft angehen, so sei mit einem neuen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen.

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