Wirtschaft : Integration von Bankers Trust läuft besser als erwartet, aber der Kauf einer Bank in Europa zu teuer

Die Deutsche Bank will nach dem Aufkauf von Bankers Trust in den USA auch in Europa weiter expandieren. "Hier stehen eher Partnerschaften an als Fusionen", sagte der Vorstandssprecher der Bank, Rolf Breuer, in Washington. Breuer bestritt erneut Pläne über eine Verschmelzung mit der Dresdner Bank. Sei Haus habe keine Übernahmeabsichten in Deutschland oder in Europa. Für eine Großbank in Europa müssten zwischen 110 und 130 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt werden. "Alle Spekulationen in Europa entbehren damit jeder mathematischen Grundlage."

Der Deutsche Bank-Chef berichtete von unerwarteten Erfolgen bei der Zusammenführung von Bankers Trust und Deutscher Bank. Es gehe viel schneller voran als geplant. Anfang Juni war die 17 Milliarden Mark teure Übernahme perfekt geworden. Die problemlose Integration der technischen Systeme bezeichnete Breuer sogar als "beispiellose Großtat". Von den 5500 Mitarbeitern, die durch die Übernahme überflüssig sind, würden bis zum Jahresende schon 3000 die Bank verlassen haben. Sie stünden aber nicht auf der Straße, sondern hätten alle ein neuen Job gefunden. 120 Tage nach dem Vollzug der Übernahme könne es zwar noch keine abschließende Bewertung geben, aber die berechtigte Hoffnung, dass die positiven Effekte größer seien als erhofft. Die Kosteneinsparungen schon in diesem Jahr seien höher als erwartet. Mit dem Erwerb von Bankers Trust ist die Deutsche Bank in den USA die achtgrößte Bank. Rund 15 500 Mitarbeiter arbeiten in Amerika für die Deutsche Bank. Mittelfristig sollen dort 20 bis 25 Prozent des gesamten Gewinns der Bank erwirtschaftet werden.

Breuer äußerte sich ferner über die Ergebnisse der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank und den damit zusammenhängenden Finanzminister-Treffen. "Es gibt immer noch Verbesserungsbedarf." Er vermisse nach wie vor einen Runden Tisch zum Weltfinanzmarkt, an dem auch die Banken beteiligt sind und der Gefahren für die Finanzmärkte möglichst frühzeitig und umfassend analysiert. Zum anderen ist nach Breuers Ansicht dringend eine weltweite Evidenzzentrale notwendig. Bei ihr sollen alle Großkredite gemeldet werden. Damit könnten die Risiken durch die Aktivitäten der hochspekulativen Hedgefonds begrenzt werden. Breuer beklagte auch, dass die Europäer bei IWF und Weltbank nicht mit einer Stimme auftreten und deshalb gegenüber amerikanischen Banken im Nachteil seien.

Der Deutsche Bank-Chef beklagte generell, dass sich die Diskussion über die Reform des internationalen Finanzsystems nicht auf wesentliche Punkte konzentriere, zum Teil sogar in die falsche Ecke gerate. "Die Öffentlichkeit versteht nicht, dass ständig reformiert und renoviert wird und dass es trotzdem immer wieder Krisen gibt." Es gehe um die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit des Systems. Mit direkter Kritik am IWF hielt sich der Banker zurück. "Man hat immer gewusst, dass der Fonds eine politische Institution ist, mit vielen Vorteilen, aber auch manchen Nachteilen. Selbstverständlich ist er nicht perfekt." Wie andere Banken auch forderte Breuer mehr Transparenz und eine stärkere Einbindung des Privatsektors auch in die Krisenprävention. Dass sich Banken an der Lösung von Krisen beteiligen, sei keine Frage. Banken und andere private Investoren hätten immer schon erhebliche Lasten getragen. "Worum es nur gehen kann und muss, ist die Beteiligung des privaten Sektors vom Ablauf her effizient zu gestalten, Zeitverluste, die nicht selten mit Vermögensverlusten identisch sind, möglichst klein zu halten."

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