Wirtschaft : Intel erschreckt die Weltwirtschaft

Die Zahlen waren im Großen und Ganzen in Ordnung. Intel, der größte Hersteller von Computer-Prozessoren, hat ein erstaunlich gutes Weihnachtsgeschäft gehabt. Und der Gewinn des US-Unternehmens ist nicht ganz so stark eingebrochen, wie es viele befürchtet haben. Was aber aufschreckt, ist die Nachricht, dass Intel seine Investitionen im Jahr 2002 im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel kürzen will.

Intel ist wichtig. Nicht nur für die Konjunktur der Chipbranche, sondern auch für die Weltkonjunktur. Denn Intel gilt Wirtschaftsexperten als Vorreiter: Wenn es mit der Konjunktur bergab geht, kracht es im sensiblen Computergeschäft zuerst. Und wenn die Wirtschaft wieder anzieht, dann spüren es wiederum auch die Chiphersteller zuerst. Deshalb haben sich alle schwer erschrocken, als Intel bekannt gab, dass es deutlich weniger investieren will als ursprünglich geplant: Offensichtlich glaubt das Unternehmen nicht an die schnelle Erholung seiner eigenen Branche - und an die der Weltwirtschaft.

In den vergangenen Monaten waren es vor allem die privaten Verbraucher, die neue Rechner bestellten. Die Wirtschaft hielt sich zurück. Das gilt weiterhin. Eine Besserung ist erst einmal nicht in Sicht. Deshalb setzt Intel fürs Erste auf Kosteneinsparung, und nicht mehr auf Wachstum. Das machen die anderen in der Branche auch. Die südkoreanische Samsung, der weltgrößte Speicherchip-Hersteller, investiert ebenfalls weniger. Infineon wird nicht um betriebsbedingte Kündigungen herum kommen und hat einen Sozialplan verhandelt. Und Hauptgesprächsthema bei den Fusionsverhandlungen zwischen Hynix und Micron ist der nötige Kapazitätsabbau. Auch wenn die Chip-Preise jetzt wieder anziehen, liegen die Erlöse weiter unter den Produktionskosten.

Wenn die Branche tatsächlich eine schnelle Wende erwarten würde, würde sie anders handeln. "Es wird wieder bergauf gehen", sagt Jürgen Thiel, der Deutschland-Chef von Intel. Er sagt aber nichts darüber, wann der Aufstieg beginnt und wie schwer er sein wird. Er wird sehr schwer sein - und länger dauern, als alle Zweckoptimisten heute hoffen. Und was für die Chipbranche gilt, gilt für die Weltwirtschaft auch.

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