Wirtschaft : Intel und IBM ohne Schwung

US-Technologiekonzerne enttäuschen mit Quartalszahlen – die Geschäftsmodelle stoßen an Grenzen.

von

Berlin - Die Technologiekonzerne Intel und IBM haben am Mittwoch mit enttäuschenden Quartalszahlen die Börsen belastet. Die Bilanzen und Ausblicke der Unternehmen wirkten auf Anleger, die auf eine baldige Konjunkturerholung hoffen, ernüchternd. Die schwache Auftragslage beim Chip-Konzern Intel zeigt überdies, wie sich der Computermarkt wandelt. Galt Intel früher als zuverlässiger Frühindikator für sinkende oder steigende Investitionen in die IT-Infrastruktur, haben diese Rolle mehr und mehr Wettbewerber wie Samsung oder Qualcomm übernommen. Der Grund: Intel hat den Smartphone-Trend verschlafen, der Anteil von Intel-Chips in den modernen Mobiltelefonen und Tablet-PCs liegt bei weniger als einem Prozent.

Da sich Intel immer noch stark auf Halbleiter für Personalcomputer konzentriert, gab der US-Anbieter am Dienstag nach US-Börsenschluss eine verhaltene Prognose fürs vierte Quartal ab. Zuletzt hatte Intels gut laufende Sparte Data Center, die Serverchips an Regierungen und Unternehmen verkauft, das Geschäft auf Trab gehalten. Doch im dritten Quartal setzte auch diese mit einem Plus von sechs Prozent auf Jahressicht weniger ab als erwartet. Analysten sind sich sicher, dass die weltweiten PC-Auslieferungen wegen der Konjunkturabkühlung in China und den Problemen in Europa in diesem Jahr leicht sinken – erstmals seit 2001.

Intels Erlöse im abgelaufenen Quartal sanken von 14,2 auf 13,5 Milliarden Dollar, lagen aber über den Erwartungen. Netto verdiente Intel rund drei Milliarden Dollar nach 3,5 Milliarden im Vorjahr. Für das vierte Quartal rechnet Intel mit einem Umsatz von 13,6 Milliarden Dollar – plus oder minus 500 Millionen Dollar. Intels Werke laufen derzeit mit weniger als 50 Prozent ihrer Kapazität.

Ursprünglich sollten die Ultrabooks die PC-Sparte anschieben. Doch die dünnen Laptops kommen bei den Kunden nicht gut an. Intel kann seine Stellung als Chip-Marktführer auf dem PC-Markt nicht mehr in bare Münze umwandeln: Die Allianz mit Microsoft, von Experten auch als Wintel bezeichnet, zahlt sich kaum noch aus. Intel wie Microsoft hoffen nun darauf, dass die Windows-8-Einführung neuen Schwung bringt.

Auch der IT-Dienstleister IBM kämpft mit der Investitionszurückhaltung: Wegen Verzögerungen bei Großaufträgen vor der Präsidentenwahl sank zuletzt der Umsatz. Viele Kunden hätten sich im abgelaufenen dritten Quartal nur für kleinere Investitionen in ihre IT-Systeme entschieden und größere Projekte vor der Wahl Anfang November vorerst auf Halde gelegt, teilte IBM bei der Vorlage der Quartalsbilanz mit. Experten gehen davon aus, dass IBM mit den abgelaufenen drei Monaten aber das schwächste Quartal des Jahres hinter sich gebracht haben dürfte. Der Umsatz sank zuletzt um fünf Prozent auf 24,7 Milliarden Dollar. Auch der stärkere Dollar sorgte rechnerisch für einen Umsatzrückgang um fast eine Milliarde Dollar. Der Gewinn vor Sonderposten sank leicht auf 3,82 Milliarden Dollar. In Europa belastete zudem die Schuldenkrise die Geschäfte. Die Umsätze sanken in der Region, die auch Afrika und den Nahen Osten umfasst, um neun Prozent, in den USA um vier Prozent. mit rtr

0 Kommentare

Neuester Kommentar