Wirtschaft : Intel und Microsoft wollen im Internetgeschäft aufholen

JOACHIM ZEPELIN

SAN FRANCISCO . Es war fast wie in den guten alten Zeiten, als sich Microsoft-Chef Bill Gates am Mittwoch mit Intel-Boss Craig Barrett in San Francisco traf. Chip-Monopolist Intel aus dem Silicon Valley kündigte leistungsfähigere Mikroprozessoren an und der Software-Monopolist aus Redmond das verbesserte Computer-Programm dazu. Mit solcher Kooperation sind beide Unternehmen zu Branchenriesen gewachsen und unermeßlich reich geworden. Doch die gemeinsame Show des "Workstation Leadership Forums" konnte kaum darüber hinwegtäuschen, daß sich die beiden Partner des "Wintel"-Duopols immer weiter voneinander entfernen. Gemeinsam ist Intel und Microsoft immerhin, daß sowohl der neue, "Merced" getaufte Chip, als auch das neue Betriebssystem Windows 2000 viel später als geplant auf den Markt kommen werden.

Statt neuer Produkte brachten die beiden Firmenbosse ihren 800 versammelten Großkunden denn auch nur Vertröstungen und Zuspruch. Intel und Microsoft stehen vor ähnlichen Problemen, nachdem sie den Markt für Personalcomputer mit Anteilen von jeweils über 80 Prozent dominieren. Weil hier kaum noch neues Terrain zu gewinnen ist und die Preise für Rechner sich ohnehin im freien Fall befinden, wollen die Software-Schmiede und der Chip-Schmelzer darum in neuen Bereichen wachsen, vor allem mit Investitionen ins Internet. Während sie sich dabei aber immer öfter ins Gehege kommen, scheinen auf dem Markt für die Workstations (Computer für die professionelle Anwendung) noch die alten profitablen Gesetze des Duopols zu herrschen. Die Mehrheit dieser besonders schnellen Rechner lief nämlich bis zum vergangenen Jahr noch ohne Wintel-Ware.

Mit wachsendem Erfolg haben Intel und Microsoft spät Boden gut gemacht gegen Unix-Anbieter wie Sun Microsystems, IBM oder Hewlett Packard. Sie setzten dabei zunächst auf den Massenmarkt, der geringere Anforderungen an Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit stellt. Mit dem Merced-Chip und Windows 2000, beide sind für Mitte 2000 angekündigt, wollen Microsoft und Intel nun auch diese letzte Bastion der Unix-Welt einnehmen. Nach Prognosen des Marktforschers International Data Corp. (IDC) werden die deutlich billigeren Wintel-Workstations noch bis zum Jahr 2003 jedes Jahr um 20 Prozent zulegen, während die Unix-Systeme mit einem jährlichen Minus von knapp zehn Prozent bei ihrem Umsatzanteil vom Gesamtmarkt rechnen müssen.

Trotzdem konnte weder der fast abwesend wirkende Craig Barrett, noch der erst anschließend nur Pflichtprogramm absolvierende Bill Gates am Mittwoch jemanden von der glücklichen Partnerschaft der beiden High-Tech-Unternehmen überzeugen. Beide riefen nacheinander nur Kunden auf die Bühne, die etwa zeigen durften, wie sie mit ihren Windows-Workstations Autos bauen oder Kunstmäuse aus Hollywood zu digitalem Filmleben erwecken. Die einträgliche Wintel-Ehe hat neben der neuen Wettbewerbslage vor allem unter der als arrogant empfundenen aggressiven Geschäftsstrategie von Microsoft gelitten. Zahlreiche Belege dafür, wie Kunden mit Monopolmacht unter Druck gesetzt wurden, lieferten Zeugen - darunter auch Intel-Mitarbeiter - im laufenden Monopolverfahren gegen die Firma von Bill Gates.

Zusätzlich vergiften Investitionen in ähnliche Märkte und in konkurrierende Firmen das Klima. Zwei Intel-Geldspritzen dürften Microsoft besonders gegen den Strich gehen. Der Chip-Hersteller steckte im vergangenen Jahr gemeinsam mit Microsoft-Erzfeind Netscape einige Mill. Dollar in Red Hat, den größten kommerziellen Anbieter des aufstrebenden Windows-Konkurrenten Linux. In diesem Jahr bekam VA Research, ein Hersteller von Linux-Workstations, einige Mill. Dollar. Beide will Intel auch technisch unterstützen, um Soft- und Hardware der Gates-Konkurrenz fit für die eigenen Chips zu machen. Ein bißchen flunkert Craig Barrett also, wenn er sagt: "Die Intel-Architektur und die unter Windows laufenden Workstations sind wirklich die Plattform der Wahl."

0 Kommentare

Neuester Kommentar