Wirtschaft : Interaktives TV: Willkommen im Fernseh-Kaufhaus

Joachim Huber

Fernsehen ist heute, Transaktionsfernsehen ist morgen. Das neue Zauberwort des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 Media AG soll den TV-Kanal tm 3 wachküssen. Allzu schwer dürfte das nicht fallen, denn tm 3 ist ohne Profil und ohne Publikum. Kaum ein Sender ist derart von Eigentümer-Wechseln und changierenden Programm-Farben geplagt worden. Als Frauensender gestartet, wollte Rupert Murdoch den Kanal zur Champions-League-Station hochfahren. Der Versuch dauerte eine Fußballsaison lang, dann hatte Murdoch genug Millionen verloren und eine Einsicht gewonnen: im deutschen Fernsehen geht nichts von heute auf morgen. Die Pro Sieben Sat 1 Media AG ist von Illusionen frei und renoviert tm 3 von Grund auf. Von einem klassischen Fernsehprogramm werden nur noch Spurenelemente übrig bleiben. Ein bisschen Unterhaltung zwar, damit das Programm nach dem aussieht, was es gar nicht mehr sein wird: Fernsehen nämlich. Der neue Kanal wird ein Vertriebsweg, wie es der Einkaufssender H.O.T. bereits ist und ein zusätzlicher, dritter Spartenkanal des Medienkonzerns noch werden soll. Dann kann die Personalunion aus Kunde und Fernsehzuschauer per Fernbedienung und Telefon aus einem Warenangebot zwischen Mixer und Mittelmeer-Reise auswählen. Transaktionsfernsehen ist nichts anderes als ein TV-Kaufhaus. Und ein prosperierendes Geschäft. H.O.T hat das ebenso nachgewiesen wie QVC oder RTL Shop. Der Medienkonzern um Pro Sieben sucht ein weiteres Standbein für weitere Erträge. Die traditionelle Einnahmequelle der Senderfamilie, die Werbung, kennt schnelle Konjunktur-Zyklen und befindet sich momentan im Abschwung. Da muss das Transaktionsfernsehen jenen Umsatz bringen, den tm 3 nie gebracht hätte. Wenn der Zuschauer in sich den Transaktiven wachküsst.

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