• Interbrew erobert Spitze des Weltbiermarktes Belgischer Bierkonzern fusioniert mit brasilianischer Großbrauerei / Neue Absatzchancen für Beck’s

Wirtschaft : Interbrew erobert Spitze des Weltbiermarktes Belgischer Bierkonzern fusioniert mit brasilianischer Großbrauerei / Neue Absatzchancen für Beck’s

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(msh). In der Bierbranche entsteht ein neuer Weltmarktführer: Der belgische Bierkonzern Interbrew übernimmt die brasilianische Großbrauerei Companhia de Bebidas das Américas (Ambev) und verdrängt damit den USBrauer Anheuser Busch von Platz eins. Interbrew mit seiner Hauptmarke Stella Artois gehört seit den Übernahmen von Beck’s, Diebels und Hasseröder auch in Deutschland zu den Marktführern. Die Börse reagierte verhalten auf die Ankündigung: Der Kurs der Interbrew-Aktie stieg um 4,3 Prozent auf 23,78 Euro.

Nach Aussage von Interbrew-Chef John Brock zahlt der Konzern 9,2 Milliarden Dollar für einen Anteil von 57 Prozent an Ambev. Mit der Fusion der Nummer drei und der Nummer fünf der Branche entsteht ein Bierkonzern mit einem Bierausstoß von rund 190 Millionen Hektolitern pro Jahr. Zum Vergleich: Der gesamte Bierverbrauch in Deutschland, der drittgrößte Markt der Welt, beträgt nur rund 100 Millionen Hektoliter. Der größte deutsche Brauer Radeberger kommt nach der Übernahme von Brau und Brunnen (Jever, Berliner Pilsner) vor wenigen Wochen auf eine Bierproduktion von 15 Millionen Hektolitern.

Mit der Fusion verbessert die weltweit agierende Interbrew ihre Marktposition in Südamerika. „Für Interbrew ist das eine Gelegenheit, in einige der am schnellsten wachsenden Biermärkte der Welt einzusteigen“, sagte Interbrew-Chef Brock, der auch das fusionierte Unternehmen führen wird. Der neue Marktführer wird den Namen Interbrew-Ambev tragen und seinen Sitz im belgischen Löwen haben. „Die internationale Konkurrenz kommt durch die Fusion stark unter Druck“, sagte Rudolf Böhlke, Konsumgüterexperte der Unternehmensberatung Ernst & Young. Gegenüber den Branchengrößen Interbrew-Ambev und Anheuser Busch verlieren die dänische Carlsberg oder Heineken aus Holland an Boden.

„Bei der Erschließung neuer Märkte spielt Größe eine wichtige Rolle“, sagte Böhlke. Dadurch ließen sich Kosten sparen und Vertriebswege besser nutzen. Neben Südamerika zählen China und Russland zu den größten Wachstumsmärkten der kommenden Jahre. Nach Schätzungen von Marktforschern könnte Russland bis zum Jahr 2008 Deutschland als drittgrößten Markt der Welt ablösen. Spitzenreiter sind die USA und China. Nach Angaben von Interbrew-Chef Brock soll die Fusion Einsparungen von rund 280 Millionen Euro pro Jahr bringen. Ziel sei es, den Bierausstoß der gemeinsamen Gruppe im laufenden Jahr um 13 Prozent auf 215 Millionen Hektoliter zu steigern. Interbrew legte am Mittwoch auch Geschäftszahlen für das vergangene Geschäftjahr vor. Der Umsatz stieg 2003 nur leicht um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 7,04 Milliarden Euro. Der Gewinn legte um acht Prozent auf 505 Millionen Euro zu. Das Brauvolumen der deutschen Marke Beck’s stieg um 5,7 Prozent. Die Belgier hatten die Bremer Brauerei Beck & Co vor zwei Jahren mit dem Ziel gekauft, Beck’s zu einer internationalen Marke auszubauen.

Nach Ansicht von Konsumgüterexperte Böhlke verbessert die Fusion auch für Beck’s den Zugang zu internationalen Märkten wie Südamerika. Direkte Auswirkungen auf den deutschen Markt sieht er dagegen nicht. „Die Übernahme macht deutlich, dass deutsche Brauereien trotz der Größe des heimischen Marktes international keine Rolle spielen“, sagte Böhlke. Grund für die schlechte Position der deutschen Brauer seien ihre Erfolge in der Vergangenheit. Bis Mitte der 70er Jahre sei der deutsche Markt stark gewachsen. „Da haben es viele versäumt, über die Landesgrenzen zu schauen“, sagte Böhlke. Inzwischen ist die Marktbereinigung in vollem Gange. Mit Interbrew, Heineken oder Carlsberg kauften sich zuletzt mehrere ausländische Braukonzerne auf dem deutschen Markt ein. Nach Schätzung von Ernst & Young wird die Zahl der noch rund 1200 Brauereien in Deutschland in kommenden Jahren weiter sinken. Verschwinden werden vor allem viele mittelständische Brauereien, deren Marken kein attraktives Profil haben.

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