Interconti-Chefin im Interview : „Die meisten Leute lieben Berlin“

Interconti-Europachefin Brav über den Hotelmarkt in Berlin.

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Foto: IHG

Die Intercontinental Hotels Group (IHG) ist der größte Hotelkonzern der Welt mit mehr als 4500 Hotels und mehr als 672 000 Zimmern. 2012 setzte das Unternehmen mit seinen neun Marken – darunter Intercontinental, Holiday Inn oder Crowne Plaza – 1,84 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) um und verdiente im Hotelgeschäft 614 Millionen Dollar.

Frau Brav, die IHG hat 2012 in Berlin zwei Häuser der Marke Hotel Indigo eröffnet, wie läuft das neue Konzept?

Hotel Indigo sind Lifestyle-Hotels, die sich an den Lebensstil in ihrer Umgebung anpassen. Ein Hotel Indigo in München wird ganz anders sein, als eines in Berlin oder Hamburg. Das mögen die Europäer, deswegen sehe ich in der Marke große Wachstumschancen.

Warum haben Sie Berlin als ersten Standort ausgewählt?

Zunächst haben wir uns für Deutschland entschieden, weil es ein Markt mit großem Potenzial ist, vor allem, wenn man es mit dem übrigen Europa vergleicht. Deutschland überragt alles. Und Berlin ist ein wichtiger Markt nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten internationalen Arena. Berlin ist progressiv und ein extrem beliebtes Reiseziel. Die meisten Leute, die Berlin besuchen, lieben Berlin. Also müssen wir dort sein.

Sie sagen Deutschland hat Potenzial. Gibt es hier noch nicht genügend Hotels?

Es gibt verschiedene Gründe, die den deutschen Markt interessant machen: Zum einen gibt es hier nicht die eine Marke, die den Markt klar beherrscht. Insgesamt geht der Trend aber in Richtung Marken, sie werden als Orientierung für Kunden immer wichtiger, nicht nur im Hotel-Geschäft. Denken Sie an die asiatischen Kunden, sie sind ganz versessen auf Marken. Deutschland wiederum hat die höchste Zahl an Hotels, die zu keiner Marke gehören. Für uns liegt die große Chance also in der Umwandlung dieser Häuser. Schließlich ist Deutschland einfach deshalb interessant, weil es finanziell stark dasteht.

Viele Berliner haben den Eindruck, dass es inzwischen zu viele Hotelzimmer gibt.

Der Markt ist tatsächlich sehr schnell gewachsen und wir haben keine besonders hohen Wachstumserwartungen speziell für Berlin. Aber wenn man Hotels entwickelt und baut, denkt man nicht an die Nachfrage von heute, sondern an die von morgen. Eine Milliarde Menschen werden in diesem Jahr nach Europa reisen. Unser Job ist sicherzustellen, dass Sie dabei in unseren Hotels übernachten.

Wo sehen Sie mehr Chancen: bei billigen Hotels wie Motel One, die gerade großen Erfolg haben, oder in der Mittel- und Spitzenklasse?

Im Feld der Economy- oder Budget-Hotels sind wir nicht vertreten. Die Deutschen sind sehr qualitäts- und preisbewusst. Da passen wir mit unserem Angebot sehr gut dazu.

Immer mehr Privatleute vermieten Zimmer oder ihre Wohnung. Ist das eine Konkurrenz für Sie?

Jeder, der Übernachtungsmöglichkeiten anbietet, ist ein Wettbewerber von uns. Aber in erster Linie konkurrieren wir mit den anderen Marken-Hotels oder Hotels mit großen Namen. Erst, wenn die Kunden das Appartement einem Hotelzimmer vorziehen würden, hätten wir ein Problem. Aber unsere Erfahrung zeigt das Gegenteil: Die Leute wollen genau wissen, was sie erwartet, deshalb verlassen sie sich auf bekannte Marken.

Wie bedrohlich sind Internet-Plattformen wie AirBnB, die Unterkünfte in 192 Ländern vermitteln?

Wir schauen uns sehr genau an, was die Online-Agenturen machen. Sie spielen ganz klar in unserem Sandkasten. Natürlich ist das eine Herausforderung. Viele Hotels haben das Marketing im Netz vernachlässigt. Aber ich denke, dass wir gute Chancen haben, wenn wir als Marke halten, was wir versprechen.

Welche neuen Trends sehen Sie?

Immer mehr Menschen buchen ihr Hotelzimmer mobil. Das ist eine Chance für uns, wenn wir sicherstellen, dass sie den besten Preis bekommen, wenn sie bei uns direkt buchen.

Angela Brav ist Europachefin der Intercontinental Hotels Group. Sie hat 69 Hotels in Deutschland, 19 weitere sind in der Pipeline.

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