Wirtschaft : Interesse für komplettes Telekom-Kabelnetz

dri

Man kann einem Verkäufer nicht vorschreiben, was er mit seinem Eigentum macht. Diesen Satz würde auch Klaus Esser sofort unterschreiben. Trotzdem versucht der Vorstandsvorsitzende der Mannesmann AG, Düsseldorf, dem Verkäufer Ron Sommer ein anderes Produkt abzukaufen, als dieser anbietet: Das Fernsehkabelgeschäft, das der Chef der Deutschen Telekom AG, Bonn, aufgeteilt in neun Regionalgesellschaften zum Kauf angeboten hat, möchte Esser als Ganzes erwerben. Außerdem hätte er gerne die Geschäftsteile dazu, die heute die Programmeinspeisung und die Abrechnung beim Kunden besorgen - und bisher von der Telekom nicht zum Kauf angeboten werden.

Sommer hätte den Vorteil, dass er "mehr Geld bekommt, wenn er das Ding richtig verkauft", argumentiert Esser, ohne allerdings zu sagen, welchen Preis ihm das komplette Netz wert wäre. "Spontaner Applaus" sei von der Telekom auf seinen Vorschlag hin bisher nicht gekommen, sagt Esser in einem Gespräch mit Journalisten. Wie die anderen Kaufinteressenten hat auch Mannesmann bis zum 20. August ein erstes nicht bindendes Angebot abgegeben. Bei näherer Prüfung, so Esser, könne die Telekom vielleicht doch den Charme des Mannesmann-Konzepts entdecken, das darauf abziele, den Netzzugang offen für alle Anbieter zu gestalten. Der größte der neuen Telekomkonkurrenten verspricht, die über 1000 Kabelinseln über das Glasfaserfestnetz seiner Tochter Mannesmann Arcor schnell zu einem flächendeckenden multimediafähigen Netz zusammenzufügen, sollte er den Zuschlag erhalten. Bei einem Vorentscheid bis November würde Mannesmann bis März 2001 die Kabel für 1,7 Mill. Haushalte aufrüsten, zwei Jahre später könne es 7,2 Mill. Multimedia-Haushalte geben, denen schnelles Internet, Pay-per-View-Programme, neue digitale Dienste und Telefongespräche angeboten werden könnten. Bei einer "Zerstückelung des Netzes" würde sich der Ausbau laut Esser "um mindestens zwei Jahre verzögern".

"Wir sind in unserem Konzept offen für Partner", wirbt Esser. Diese könnten sowohl Finanzinvestoren wie die Landesbanken oder Inhalteanbieter wie Bertelsmann oder kleinere private Kabelnetzbetreiber sein. Mannesmann sehe seine Rolle als Netzbetreiber und Marktentwickler und strebe die unternehmerische Führung (50 Prozent plus x) in einem später zu bildenden Konsortium an. Finanzierungsprobleme sieht Esser nicht. Neben dem Kaufpreis - Insider nennen 20 bis 25 Mrd. DM - müsste Mannesmann weitere 5 bis 10 Mrd. DM in den Ausbau stecken. Dafür lassen sich laut Esser "problemlos" Geldgeber finden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben