Wirtschaft : Interessenten suchen Kooperation - British Telecom vor Übernahme von Viag Interkom

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Schneller als geplant kommt es bei Viag Interkom offenbar zu einer strategischen Neuausrichtung im Gesellschafterkreis aus Viag AG (45 Prozent), British Telecom (45 Prozent) und Telenor (10 Prozent). Ursprünglich wollten sich Veba-Chef Ulrich Hartmann und Viag-Chef Wilhelm Simson bis nach der Fusion ihrer Unternehmen zum neuen Energiekonzern E.on im Herbst Zeit lassen, um ihre künftige Strategie in der Telekommunikation festzulegen. Das Thema wird jetzt jedoch vorgezogen, wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr. Der Grund: Hartmann möchte keinesfalls, dass die Viag im Sommer bei der Versteigerung der UMTS-Mobilfunk-Lizenzen Milliarden ausgibt. British Telecom könnte daher bereits in den kommenden Wochen Mehrheitsaktionär des von Maximilian Ardelt geleiteten Anbieters von Mobilfunk (E2), Festnetz- und Internetdienstleistungen werden.

Anders als der Strommanager Hartmann kann sich BT-Europachef Pat Gallagher nicht vorstellen, für Viag Interkom keine deutsche UMTS-Lizenz zu erhalten. Wie für die anderen drei existierenden Mobilfunknetzbetreiber ist UMTS die zwingende Weiterentwicklung ihres Kerngeschäfts. Der Betrag von 75 Milliarden Mark, den die britische Regierung für fünf UMTS-Lizenzen am Ende der Auktion kassiert hat, bringt jedoch alle Bieter in Deutschland zum Nachdenken. Ein Manager eines der vier deutschen Mobilfunk-Netzbetreibers sagte dem Handelsblatt, dass sich für Großbritannien ein UMTS-Geschäftsplan eigentlich nur bis zu einem Lizenzpreis von 6,5 bis sieben Milliarden Mark rechnen würde. Gezahlt wurde je nach Lizenz jedoch das zwei- bis dreifache.

Bei den elf Unternehmen und Konsortien, die sich für die Versteigerung der Lizenzen beworben haben, gibt es daher nur ein Thema - das britische Auktions-Ergebnis zu vermeiden. So kann sich der Mobilfunk-Serviceprovider Talkline nach Aussagen seines Geschäftsführers Kim Frimer vorstellen, dass das Weiterverkaufen von UMTS-Mobilfunkverträgen und eigenen Datendiensten ein lukratives Geschäft sein könnten - auch wenn sein Unternehmen, "ernsthaft bietet", wie er sagte. Für die je nach Bieterverhalten vier bis sechs Lizenzen lässt sich damit schon jetzt absehen, dass neben den vier Netzbetreibern T-Mobil, D2-Mannesmann, E-Plus und Viag Interkom wohl nur France Télécom/ Mobilcom, das 3G-Konsortium und Hutchison lange durchhalten werden. In welche Höhen diese Sieben sich dann bieten werden, ist offen - es sei denn, ihre Manager finden schon im Vorfeld Kooperationsmöglichkeiten. Dann dürften die UMTS-Lizenzen in Deutschland erheblich billiger werden als in Großbritannien.

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